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3 Nächte und 4 Tage in Kaohsiung — Eine Reise von Manila über die Hafenstadt Kaohsiung quer durch den Westen Taiwans

Nach einem anstrengenden Aufenthalt im philippinischen Manila bestieg ich das Flugzeug nach Kaohsiung, Taiwan. Wenn ich mir die Route vor Augen führte, war es am logischsten, über Kaohsiung einzureisen, den Osten und Norden Taiwans zu bereisen und dann nach Korea zurückzukehren. Das war mein Plan, den ich mir anhand der Landkarte zurechtgelegt hatte. Doch als sich die südtailändische Küstenlinie und der Hafen mit seinen unzähligen Kränen vor dem Fenster abzeichneten, verflogen die komplexen Routenberechnungen im Kopf im Nu, und es blieb nur die Vorfreude auf eine fremde Stadt.

Blick aus dem Flugzeugfenster auf das Containerterminal des Hafens von Kaohsiung und das ruhige Meer.

Um mich von den Strapazen in Manila zu erholen, beschloss ich, es in der ersten Nacht ruhig angehen zu lassen. Ich buchte das InterContinental Hotel und gab dafür etwas mehr Budget aus, als es sonst meinem Reisestil entspricht. Als ich mit dem Taxi vom Flughafen ankam und die prachtvoll beleuchtete Hotel-Lobby betrat, stellte sich endlich ein Gefühl der Entspannung ein. Das hohe, moderne Gebäude und die beruhigende Beleuchtung schienen die Müdigkeit der Reise sanft dahinschmelzen zu lassen.

Die Außenansicht des imposant beleuchteten InterContinental Hotels Kaohsiung unter dem Nachthimmel.

Nachdem ich ausgepackt hatte, wollte ich mich eigentlich schlafen legen, doch ein leises Hungergefühl zog mich in den direkt neben dem Hotel gelegenen Convenience Store. Egal in welchem Land, die lokalen Convenience Stores zu erkunden, ist immer ein kleines, aber feines Vergnügen. Als ich die Regale durchstöberte, fielen mir überraschenderweise warme Süßkartoffeln auf einer heißen Steinplatte ins Auge. In Korea hatte ich Süßkartoffeln im Convenience Store nie Beachtung geschenkt, aber als ich hier in einer Ecke des Ladens auf dieser fremden Insel die dampfenden Kartoffeln sah, wurde mir seltsam warm ums Herz. Ich nahm eine der dezent süßlich duftenden Kartoffeln und biss hinein; die wohlige Wärme und der vertraute Geschmack der Heimat breiteten sich in meinem Mund aus. Weit weg von zu Hause, an einem Ort, an dem ich die Sprache nicht verstand, musste ich schmunzeln, als ich merkte, wie ein einfaches Stück Süßkartoffel Heimweh in mir weckte.

Süße Kartoffeln, die auf einer warmen Steinplatte im Convenience Store vor sich hin dämpfen.

Eine Tram, die über grünen Rasen gleitet, und Gassen mit Meeresbrise

Unter all den Städten Taiwans schätze ich besonders die friedliche Atmosphäre von Kaohsiung. Dies war mein zweiter Besuch, und ein bestimmtes Bild aus meiner ersten Reise hatte sich mir tief eingeprägt: die Stadtbahn (LRT), die nicht über kalte Bahngleise, sondern sanft über einen weichen, grünen Rasenteppich gleitet. Ohne hohe Absperrgitter oder einschüchternde Sicherheitsvorrichtungen fährt die Bahn wie von selbst auf dem gepflegten Rasen ein. Dieser Anblick lässt einen jedes Mal aufs Neue entspannen. Während ich an der Haltestelle im Wind wartete, der über das Gras strich, und der 85 Sky Tower wie eine Kulisse im Hintergrund aufragte, wurde mir wieder richtig bewusst, dass ich nach Kaohsiung zurückgekehrt war.

Eine Haltestelle der Stadtbahn von Kaohsiung über grünem Rasen, mit blauem Himmel und dem 85 Sky Tower im Hintergrund.

Zur Mittagszeit schlenderte ich ohne festes Ziel durch die Gassen und kehrte in ein kleines, unscheinbares Lokal ein. Es war ein Restaurant für Einheimische, ganz ohne prunkvolles Schild. Um die Qualität eines chinesischen Restaurants zu beurteilen, ist gebratener Eierreis der beste Maßstab. Also bestellte ich den gebratenen Reis zusammen mit gebratenem Kohl und einer leichten Gemüsesuppe. Der Reis war bei starker Hitze schnell gebraten worden, sodass jedes einzelne Korn glänzte und ein wunderbar herzhaftes Röstaroma aufwies. Die Meisterschaft der alltäglichen Küche im Herkunftsland lässt sich eben nicht verleugnen.

Gebratener Eierreis mit feinem Röstaroma, knackig gebratener Kohl und eine leichte Suppe.

Nachdem ich mich gestärkt hatte, ging ich hinunter zum Hafen und ging an Bord der Fähre. Vom Hafen in Kaohsiung erreicht man nach einer kurzen Fahrt die längliche Insel Cijin. Während der kurzen Überfahrt mit der bunten, mit niedlichen Figuren verzierten Fähre strich mir eine kühle Meeresbrise um die Wangen.

Eine bunte Fähre auf dem Weg zur Insel Cijin, die gerade am Anleger festmacht.

Normalerweise schauen sich Touristen auf Cijin nur kurz den Markt rund um den Anleger oder die Strandpromenade an und fahren dann wieder zurück. Als ich mir jedoch die Google-Karte genauer ansah, entdeckte ich am östlichen Ende der Insel noch einen weiteren kleinen Fähranleger. Mit der Karte als einzigem Wegweiser bog ich in die Gassen im Inneren der Insel ein, abseits der Touristenpfade. Es zeigte sich ein Bild des ganz alltäglichen Lebens: alte Apothekenschilder, Wahlplakate an den Wänden und verblasste Wegweiser zu kleinen Tempeln. Solche unverfälschten Gassen, in denen das echte Leben pulsiert, berühren einen Reisenden weit mehr als jede durchgestaltete Touristenattraktion.

Eine ruhige Gasse im Inneren der Insel Cijin mit chinesischen Schriftzeichen auf den Schildern, abseits der Touristenströme.

Der östliche Anleger, den ich nach einem langen Fußmarsch erreichte, war fast schon unheimlich still. Es war ein winziger Hafen, der lediglich aus einer ins Meer führenden Betonrampe und einem gelben Geländer bestand. Über 30 Minuten lang war weder ein Boot noch ein Passant zu sehen, und langsam beschlich mich Unruhe. Als zufällig ein Einheimischer auf einem Motorroller vorbeifuhr, fragte ich ihn höflich: „Kommt hier wirklich ein Boot?“ Er nickte gelassen und meinte, ich müsse nur ein wenig warten. Es begann ein Geduldsspiel und ein Kampf mit dem eigenen Zweifel. Ich blickte auf das ruhige Meer und harrte aus, bis in der Ferne wie durch ein Wunder ein kleines Boot auftauchte, das die Wellen teilte. Ein kleiner, feiner Triumph, den ich meiner Geduld zu verdanken hatte.

Der ruhige östliche Fähranleger auf der Insel Cijin mit Blick auf die Skyline der gegenüberliegenden Innenstadt von Kaohsiung.

Zurück auf dem Festland spazierte ich durch die Stadt, als plötzlich der 85 Sky Tower, das Wahrzeichen von Kaohsiung, riesengroß vor mir aufragte. Die ungewöhnliche Struktur mit der Öffnung in der Mitte und die gen Himmel strebende Architektur lassen an eine Rakete denken, die jeden Moment ins All abheben könnte. Der Kontrast zwischen den niedrigen, roten Backsteingebäuden der Altstadt und dem modernen Wolkenkratzer verleiht Kaohsiung eine ganz eigene, spannende Dreidimensionalität.

Der monumentale 85 Sky Tower im Herzen der Stadt, der an eine Raketenstartrampe erinnert.

Kräftige Rindfleisch-Nudeln und die lebendige Atmosphäre des nächtlichen Marktes

Wer in Taiwan ist, für den gehört eine ordentliche Schale Rindfleisch-Nudeln einfach dazu. Am Mittag des dritten Tages suchte ich ein Restaurant auf, das für seine trockenen Nudeln mit dicken Rindfleischstücken bekannt ist. Zarte, dick geschnittene Rinderwadenstücke bedeckten die Schüssel mit den elastischen Nudeln fast vollständig, abgerundet durch frisch geschnittene Frühlingszwiebeln. Ich vermischte die Nudeln mit der salzigen, tiefen Umami-Sauce und biss in ein Stück Fleisch, das regelrecht im Mund zerging. Zusammen mit einer kalten Cola war dies ein perfektes, gemütliches Essen, das kein Festmahl hätte übertreffen können.

Trockene Rindfleisch-Nudeln mit einer kräftigen Sauce und reichlich dicken, zarten Rindfleischstücken.

Die Nachtmärkte in Taiwan, die ich nach Sonnenuntergang besuchte, sprühen immer vor Energie. Während manche Nachtmärkte in anderen Ländern eher touristisch wirken oder nur aufgewärmte Fertigwaren anbieten, spürt man in Taiwan, dass dies Orte des echten Lebens sind. Die Verkäufer bereiten alles mit großer Sorgfalt zu, bereiten die Zutaten frisch vor und grillen sie gewissenhaft über der Holzkohle, während sie sie mit Sauce bestreichen. Dem jungen Mann, der die eingeschnittene, ganze Tintenfischtube mit einer roten Spezialsauce bestrich und über der Glut röstete, sah man den Stolz auf sein Handwerk an. Das Stimmengewirr der Händler und die köstlichen Düfte, die sich mit dem Rauch vermischen, sind die wahren Hauptdarsteller einer Nacht in Kaohsiung.

Ein ganzer Tintenfisch, der an einem Nachtmarktstand sorgfältig über Holzkohle gegrillt wird.

Abschied von der liebgewonnenen Hafenstadt aus dem Zugfenster

Die 4 Tage in Kaohsiung boten eine wunderbare Mischung aus Entspannung und kleinen, unerwarteten Entdeckungen. Am Mittag des 27. verließ ich Kaohsiung und stieg am Bahnhof Zuoying in den taiwanesischen Hochgeschwindigkeitszug (THSR), um Richtung Taichung und Taipeh weiterzureisen. Das Schienennetz in Taiwan ist hervorragend ausgebaut, was das Reisen zwischen den Städten äußerst komfortabel macht. Ich machte es mir im bequemen Sitz gemütlich, blickte auf die Anzeige mit dem nächsten Halt und verabschiedete mich in Gedanken von der Hafenstadt Kaohsiung, die hinter dem Fenster langsam kleiner wurde.

Innenansicht der Business Class des taiwanesischen Hochgeschwindigkeitszugs (THSR), mit dem die Reise durch den Westen Taiwans fortgesetzt wurde.
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1 Kommentare

Kai2026-08-01
대만 좋았지.
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