Wind, Wald und Zeit für mich selbst: Drei Tage in Ubud
Als ich die wilden Klippen von Uluwatu hinter mir ließ und mich auf den Weg nach Ubud machte, spürte ich auf den Bergstraßen sofort, wie die Luft kühler, frischer und klarer wurde. Dass Ubud als friedliches Bergstädtchen gilt, in dem man wunderbar einfach mal nichts tun und die Seele baumeln lassen kann, leuchtete mir auf den ersten Blick ein. Noch bevor ich meine Taschen in der Unterkunft abstellen konnte, überkam mich ein riesiger Hunger, sodass ich direkt ein Restaurant ansteuerte. Ich wollte unbedingt Balis berühmte Spezialität probieren: gegrillte Ente, „Bebek Goreng“.

Auf einem großen Holztablett, das mit Bananenblättern ausgelegt war, wurde eine goldbraun knusprig frittierte halbe Ente zusammen mit würzigen Saté-Spießen, gedämpftem Reis sowie einer Vielfalt an Sambal-Saucen und Gemüsebeilagen wunderschön serviert. Schon beim ersten Biss in die knusprige Entenhaut entfaltete sich das perfekt abgestimmte, herzhafte Aroma und das zarte Fleisch. Zusammen mit etwas scharf-würzigem Sambal und Reis verflogen die Müdigkeit der Anreise und der aufgestaute Hunger im Nu. Nach diesem ersten, rundum gelungenen Essen fühlte sich die Stille und Natur von Ubud plötzlich ganz nah an.
Morgenfrische auf dem Campuhan Ridge Walk und goldene Reisterrassen
Der Morgen auf Bali war deutlich angenehmer und kühler, als ich erwartet hatte. Noch vor dem eigentlichen Sonnenaufgang machte ich mich auf den Weg zum Campuhan Ridge Walk, einer der bekanntesten Trekkingrouten Ubuds, um den Körper ein wenig in Schwung zu bringen. Ich schlenderte gemütlich über den gepflasterten Pfad, der von dichtem Bambuswald und sattgrünen Pflanzen gesäumt war. Zu dieser frühen Stunde war die Brise herrlich erfrischend, und das gleichmäßige Gefühl der Pflastersteine unter den Füßen gab dem Gehen einen wunderbar entspannenden Rhythmus.


Als ich dem Hügelkamm weiter folgte, öffnete sich plötzlich der Blick und gab die Sicht auf die für Ubud so typischen Reisterrassen frei. Passenderweise leuchteten die reifenden Reisfelder in dichten, goldenen Tönen und bildeten einen wunderschönen Kontrast zu den grünen Kokospalmen. Beim Blick auf die kleinen Häuser mit ihren roten Ziegeldächern und die hoch aufragenden Palmen zwischen den Feldern dachte ich mir, dass ich den perfekten Zeitpunkt für meine Reise erwischt hatte. Ohne ein einziges hohes Gebäude reichte die unberührte Natur bis zum Horizont, und der ganze Alltagsballast in meinem Kopf löste sich wie durch ein Wunder auf.

Ubuds Felder spiegeln das jahrhundertealte, harmonische Zusammenleben von Mensch und Natur wider, das durch das traditionelle Bewässerungssystem „Subak“ geregelt wird. Der morgendliche Spaziergang, bei dem einem der Duft von feuchter Erde und frischem Gras in die Nase steigt, war der einfachste und zugleich tiefste Luxus, den man in dieser Bergstadt erleben kann.
Ein intensiver Geschmack von Heimat in der Ferne: Das Restaurant Namsan in Ubud
Da ich seit meiner Ankunft in Indonesien schon einige Tage kein koreanisches Essen mehr hatte, sehnte ich mich zur Mittagszeit nach etwas scharfem und deftigem Essen. So landete ich im koreanischen Restaurant „Namsan“ im Stadtzentrum von Ubud. Auf der Speisekarte bestellte ich ohne langes Zögern geschmortes Kimchi mit Schweinerippchen (Deunggalbi-Kimchijjim). Kurz darauf brutzelte das Gericht dampfend auf einer heißen Gusseisenplatte vor mir.


Man schmeckte sofort die Sorgfalt heraus, mit der jedes einzelne Rippchen liebevoll in feine Kimchiblätter gewickelt und stundenlang sanft geschmort worden war. Eine so tiefe, kräftige Brühe kann man nur erzielen, wenn das kostbare Kimchi hier im Ausland mit viel Liebe selbst eingelegt wird. Oft zögert man in asiatischen Urlaubsorten, weil koreanische Restaurants dort überteuert sind, aber auf Bali war das Essen absolut erschwinglich und von herausragender Qualität. Zusammen mit den Beilagen wie den leicht nach Sesamöl duftenden Fischkuchen und dem scharfen Rettichsalat leerte ich die Schüssel bis zum letzten Reiskorn und fühlte mich danach rundum glücklich und gestärkt.
Hinter dem geheimnisvollen Tunnel: Der üppige Monkey Forest
Gut gesättigt verließ ich das Restaurant und überlegte, wohin es als Nächstes gehen sollte. Da der Monkey Forest (Sacred Monkey Forest Sanctuary) gut zu Fuß erreichbar war, machte ich mich dorthin auf den Weg. Da ich auf Reisen in Südostasien schon oft Affen gesehen hatte, waren meine Erwartungen anfangs nicht allzu hoch. Doch als ich das Eingangstor passierte, änderte sich die Atmosphäre schlagartig.


Nachdem ich den Felstunnel durchquert hatte, dessen Wände über und über mit kunstvollen Reliefs mystischer Fabelwesen verziert waren, tat sich vor mir ein dschungelartiger Urwald auf, als wäre ich in einer anderen Welt gelandet. Unter dem Schatten riesiger tropischer Bäume bewegten sich unzählige wilde Affen völlig frei durch das gesamte Areal. Der Anblick eines Makaken, der sich lässig auf das Geländer des Spazierwegs lümmelte und die vorbeigehenden Touristen fast schon philosophisch beobachtete, brachte mich zum Schmunzeln.


Besonders berührt hat mich der Moment, als ich eine Affenmutter entdeckte, die auf einer moosbewachsenen Ruine saß und ihr winziges Baby ganz fest an sich drückte. Da es das erste Mal auf dieser Reise war, dass ich ein Affenbaby aus nächster Nähe sah, war dieser Augenblick besonders magisch. Der Besuch im Affenwald, von dem ich anfangs nicht viel erwartet hatte, entpuppte sich als ein wunderbar geheimnisvolles und faszinierendes Erlebnis.
Ein eiskaltes Bintang-Bier rundet den Abend ab
Als sich die Dunkelheit über Ubud senkte, entschied ich mich am Abend gegen meine übliche Cola und bestellte stattdessen ganz erwachsen ein kühles Bier. Kurz darauf stand das berühmteste Bier Indonesiens, ein eiskaltes Bintang, in einer grünen Flasche mitsamt Glas auf meinem Tisch.


Da für den nächsten Morgen eine anstrengende ATV-Tour auf dem Plan stand, wollte ich kein Risiko mit Street Food eingehen und wählte ein sauberes Restaurant mit authentischem indonesischem Flair. Bei frisch gebratenem Mie Goreng mit Spiegelei und knusprigen Saté-Spießen genoss ich das spritzige, herbe Bier, während mir der milde Abendwind von Ubud um die Nase wehte.
Adrenalinkick pur bei der Kuber-ATV-Tour durch Schluchten und Wasserfälle
Am nächsten Morgen stand das absolute Highlight der Outdoor-Aktivitäten in Ubud an: eine Fahrt mit dem Kuber-ATV. Kaum hatte ich den Helm aufgesetzt und den Motor des Quad-Bikes gestartet, spürte ich die kraftvollen Vibrationen im ganzen Körper. Auf das Signal des Guides hin gab ich Gas und steuerte direkt hinein in das unwegsame Gelände des Dschungels.


Der aufregendste Moment war, als wir durch eine extrem enge Schlucht mit steilen Felswänden fuhren und plötzlich in eine komplett dunkle Höhle einbogen. Mitten in der Finsternis ging plötzlich der Motor des vor mir fahrenden Quads aus und das Fahrzeug blockierte den Weg. Ohne in Panik zu geraten, gab ich meinem ATV etwas mehr Gas, schob das vordere Fahrzeug an der Stoßstange an und manövrierte uns beide sicher aus der Höhle heraus. Das war ein unglaublich befreiendes und stolzes Gefühl!

Als wir die Höhle verließen, erwartete uns tief im Wald ein mächtiger Wasserfall. Mit Vollgas fuhren wir direkt unter den herabstürzenden Wassermassen hindurch. Obwohl ich von oben bis unten mit Schlamm und Wasser bespritzt wurde, war das Gefühl von Freiheit, das Lenkrad fest im Griff zu haben und einfach durchzubrechen, absolut unbeschreiblich.

Die actionreiche Tour endete mit einer rasanten Fahrt durch das letzte tiefe Wasserbecken, bei der das Wasser meterhoch aufwirbelte. Ich war zwar von Kopf bis Fuß nass und schlammig, aber tief im Inneren spürte ich eine unglaubliche, frische Energie.
Mein erstes Solo-Samgyeopsal mit Minari: Die Freiheit von den Blicken der anderen
Nach dem anstrengenden Ganzkörper-Workout am Vormittag machte sich sofort ein riesiger Hunger bemerkbar. Ich überlegte kurz und beschloss, mich an etwas zu wagen, das ich noch nie getan hatte: alleine Schweinebauch (Samgyeopsal) essen zu gehen. In Korea hatte ich mich das aus Sorge vor den Blicken anderer und falscher Scham nie getraut. Um das Ganze perfekt zu machen, bestellte ich noch frischen, aromatischen Wassersellerie (Minari) dazu.

Auf dem heißen, gusseisernen Grilldeckel brieten bald dicke Scheiben Schweinebauch zusammen mit frischem Minari, Sojasprossen und reichlich Kimchi. Das brutzelnde Geräusch und der feine Duft des Kräuter-Minari ließen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Als ich das erste Stück Fleisch zusammen mit dem gebratenen Minari probierte, war jede anfängliche Befangenheit sofort verflogen. Es war im Grunde völlig unkompliziert. In diesem Restaurant in Ubud wurde mir eine ganz einfache, aber wertvolle Wahrheit bewusst: Die Menschen interessieren sich gar nicht so sehr für das, was man alleine tut. Mit diesem neuen Selbstvertrauen weiß ich, dass ich auch zurück in Korea problemlos alleine Schweinebauch essen gehen kann.
Tage in Ubud, an denen ich mich frei von den Blicken anderer ganz mir selbst gestellt habe.
Meine drei Tage in Ubud boten die ganze Bandbreite: von entspanntem Nichtstun über Dschungel-Trekking und wilde Quad-Fahrten bis hin zu dem Moment, in dem ich beim Solo-Essen eine persönliche Grenze überschritten habe. Inmitten der Stille des Waldes und dem Nervenkitzel des Dschungels habe ich vor allem eines gefunden: mich selbst, ganz frei von den Erwartungen anderer.
