Im Schatten des Mount Agung: Herzhafte Aromen und das langsame Meer im balinesischen Amed
Eigentlich war geplant, bis ans östliche Ende der Insel Java zu reisen, um von dort mit der Fähre nach Bali überzusetzen. Doch tief in mir wuchs der Wunsch, Bali früher und intensiver zu erleben. Die Reise über Land und Wasser hätte zwar ihren eigenen Charme gehabt, aber die Aussicht auf einen zusätzlichen Tag auf Bali war weitaus verlockender. Ich kontaktierte den Taxifahrer, den ich bei meinem Besuch des Borobudur-Tempels kennengelernt hatte, und machte mich auf den Weg zum Flughafen. Dem nicht genommenen Weg trauere ich nicht nach. Das Unbekannte bleibt einfach als Vorfreude für die nächste Reise bestehen.

Der neue Flughafen von Yogyakarta war viel sauberer und moderner als erwartet. Die hohen Rundbögen und die offen gestaltete Deckenstruktur vermittelten sofort nach dem Betreten ein Gefühl von Weite. Nach dem Durchschreiten der imposanten und dennoch eleganten Fassade eröffnete sich im Abflugbereich durch die riesige Fensterfront ein freier Blick auf die flache Start- und Landebahn und das ferne Meer. Selbst das Warten auf das Flugzeug an diesem hellen Fensterplatz bereitete große Vorfreude.

Dank der hohen Decken und der Panoramafenster wirkte der Innenraum absolut luftig. Das Sonnenlicht spiegelte sich auf dem glatten Boden und erzeugte einen sanften Glanz, während sich am Ende der Startbahn der ruhige Horizont erstreckte. In der friedlichen Flughafenlounge sammelte ich meine Gedanken und malte mir das bevorstehende Leben auf Bali aus.

Nach dem Aufruf zum Boarding betrat ich die Kabine. Als ich meine Tasche im Handgepäckfach verstaut hatte und mich setzte, wurde mir erst richtig bewusst, dass es nun tatsächlich nach Bali ging. Schon kurz nach dem Start setzte das Flugzeug zur Landung auf dem Flughafen Ngurah Rai auf Bali an. Ein Blick auf die Uhr verwunderte mich zunächst, da es viel früher als gedacht war – bis mir auffiel, dass Bali eine Stunde vor der Insel Java liegt, obwohl beide zu Indonesien gehören. Dass es innerhalb eines Landes eine Zeitverschiebung gibt, fand ich äußerst faszinierend.

Der lange Weg nach Amed und eine Lektion im Laden von Elektroautos
Gleich nach der Landung buchte ich ein Grab-Taxi, um zu meinem Ziel Amed zu gelangen. Das zugewiesene Fahrzeug war ein Elektroauto mit sehr ruhigem Fahrkomfort. Die Fahrt vom Flughafen nach Amed am östlichen Ende von Bali ist mit etwa dreieinhalb Stunden ein echtes Abenteuer. Vor der Abfahrt meinte der Fahrer vorsichtig: „Die Gegend um Amed ist ländlich geprägt, daher könnte es dort an Schnellladestationen für Elektroautos mangeln. Es wäre ratsam, das Auto unterwegs noch einmal ausreichend aufzuladen.“

Letztendlich mussten wir an einer Ladestation Halt machen und etwa 40 Minuten warten. Obwohl ich die Zeit nutzte, um mich nett mit dem Fahrer zu unterhalten, nahm ich die wertvolle Erkenntnis mit, dass man für lange Überlandfahrten besser kein Elektroauto wählt. Die Taxigebühr von 1,5 Millionen Rupiah war zwar teurer als das Flugticket, aber während ich die vorbeiziehende Landschaft von Ost-Bali betrachtete, fand ich allmählich zu innerer Ruhe.

Die Silhouette des Mount Agung und der Sternenhimmel
Nach einer mehr als dreistündigen Fahrt kam ich schließlich an meiner Unterkunft in Amed und an. In den dunkel gewordenen Gassen standen charmante Holzschilder, die den Weg zu den Pensionen und Gasthäusern wiesen. Die Unterkunft war von weiten, grünen Reisfeldern umgeben, was der Gegend einen herrlich ländlichen Duft verlieh.

Der einzige Grund, warum ich dieses Hotel gewählt hatte, war die Aussicht auf den gewaltigen Mount Agung direkt vor meinem Zimmerfenster. Die Ausstattung und das Preis-Leistungs-Verhältnis waren nicht herausragend, aber die herzliche Freundlichkeit und die Hilfsbereitschaft des Personals an der Rezeption wärmten mir das Herz. Als ich mich auf einen Holzstuhl auf der Terrasse setzte, zeichnete sich die mächtige schwarze Silhouette des Mount Agung im fahlen Abendlicht ab – ein überwältigender Anblick.

Da ich während der langen Fahrt nach Amed nichts gegessen hatte, war ich sehr hungrig. Ich lief durch die Dunkelheit zu einem kleinen Tante-Emma-Laden im Dorf und fand tatsächlich koreanische „Carbonara Buldak“-Ramen. Da es keine anderen Nudeln gab, hatte ich keine Wahl, aber die scharfe, intensive Würze der koreanischen Küche vertrieb die Müdigkeit der anstrengenden Reise im Nu.

Frisch gestärkt trat ich wieder auf die Terrasse und blickte hinauf zum Himmel. Am Nachthimmel von Amed, der kaum durch künstliches Licht getrübt wird, funkelten unzählige Sterne wie Diamanten. Unter dem sanften Sternenlicht atmete ich tief durch und ließ den langen Tag ruhig ausklingen.

Ein beschaulicher Alltag zwischen Bergen und Meer
Am nächsten Morgen machte ich einen Spaziergang am Strand von Amed. Der Strand war nicht übermäßig touristisch erschlossen, sodass sich das Leben der Einheimischen ganz natürlich einfügte. Die Morgensonne, die auf den „I LOVE AMED“-Schriftzug schien, tauchte die sanften Wellen des Meeres in ein goldenes Licht.

Amed ist als Mekka für Freitaucher bekannt. Auch für mich war das Freitauchen eines der Hauptziele dieser Reise. Die örtliche Tauchschule unterrichtete die Theorie und die Atemtechniken äußerst leidenschaftlich und strukturiert, weit über bloße Formalitäten hinaus. Nach dem Unterricht ging es direkt ins Meer vor der Tür für die praktischen Übungen. Die Stille beim sanften Hinabgleiten in die Tiefe des Meeres bot ein Gefühl tiefster Konzentration.

Beim Spaziergang durch das Dorf harmonieren der Mount Agung, das Wahrzeichen Ameds, und die grünen Reisfelder perfekt miteinander. Der Mount Agung, der Wolken wie einen Hut trug, thronte schützend im Hintergrund, während davor saftig grüner Reis wuchs – ein Anblick, der die Seele beruhigte.

Am frühen Morgen lagen die traditionellen Holzboote, Jukungs genannt, im Hafen von Amed auf dem spiegelglatten Wasser. Abseits vom Trubel lauter Touristenorte harmonierte das sanfte Licht am Horizont wunderbar mit dem Alltag der Fischer.

Ich besuchte auch ein Massagestudio, um die Muskeln zu entspannen. Durch den Eingang des Studios wehte eine frische Brise, und der Blick auf einen kleinen Garten mit Palmen und Reisfeldern bot die perfekte Kulisse für pure Erholung.

Liebevoll zubereitete Gerichte in Amed
Eine der größten Überraschungen auf meiner Reise nach Amed war die Hingabe, mit der das Essen zubereitet wurde. Ich verschwendete keinen Gedanken an globale Fast-Food-Ketten, da mir überall sorgfältig und sauber zubereitete Gerichte serviert wurden. Ein hausgemachter Burger mit einer dicken Fleischfrikadelle und frischem Gemüse wurde mit einem Messer in der Mitte serviert und sah herrlich deftig aus.

An einem Tag hatte ich große Lust auf eine würzige, heiße Suppe und besuchte ein japanisches Restaurant. Die dort bestellten Tantanmen-Nudeln kamen in einer kräftigen, roten Brühe, garniert mit einem weichgekochten Ei, Hackfleisch und Frühlingszwiebeln. Sie erfüllten vollkommen meine Sehnsucht nach einer scharfen, tiefen Brühe. Auch die dazu bestellten Gyoza waren keineswegs lieblos zubereitet, sondern hatten eine perfekt knusprige Unterseite, die wie ein feines Netz aussah.


Weil mir das Essen so gut geschmeckt hatte, kehrte ich am nächsten Abend wieder in dasselbe Restaurant zurück. Diesmal bestellte ich Tonkotsu-Ramen mit einer milden, gehaltvollen Schweinebrühe. Als ich die Suppe probierte, die reichlich mit Judasohren-Pilzen, Bok Choy und herzhaftem Chashu-Schweinefleisch belegt war, machte sich erneut tiefe Zufriedenheit in mir breit.

Morgens und mittags entschied ich mich gern für gesunde, leichte Kost. Eine Smoothie-Bowl in einer gelben Schale, ordentlich garniert mit Bananenscheiben, Chiasamen, Sonnenblumenkernen und Granola, schmeckte wunderbar frisch und nussig. An einem anderen Tag probierte ich in einem Café eine Tuna Poke Bowl. Die Kombination aus gewürfeltem Thunfisch, Avocado, Karotten, Edamame und Rotkohl war farblich wunderschön abgestimmt und erfreute sowohl das Auge als auch den Gaumen.


Während ich meine Poke Bowl genoss, klappte ich meinen Laptop auf einem Café-Tisch auf, wo das WLAN einwandfrei funktionierte. Mit leckerem Essen an meiner Seite zu arbeiten und gleichzeitig das Leben vor dem Fenster zu beobachten – das war genau das Leben als digitaler Nomade, von dem ich so lange geträumt hatte.

An einem Tag hatte ich Lust auf Spaghetti und gönnte mir Pasta mit reichlich Meeresfrüchten. Die Tomaten-Meeresfrüchte-Spaghetti mit frischen Muscheln und Garnelen überzeugten durch ein tolles Umami-Aroma. Als Dessert rundete die Kombination aus einem saftigen Schokobrownie mit Vanilleeis und einem Matcha Latte das Essen perfekt ab.


In den Gassen von Amed versteckten sich überall kleine, liebevolle Cafés. Einfach in einem gemütlichen Café zu sitzen, einen kalten Schokosmoothie zu trinken und zu entspannen, tat unheimlich gut. Als nächstes Gericht bestellte ich klassische Spaghetti Bolognese. Die Nudeln mit einer reichhaltigen Hackfleischsauce wurden zusammen mit Knoblauchbrot serviert und ergaben eine sättigende Mahlzeit.


Mein letztes Frühstück in Amed war ein knuspriges Croissant-Sandwich. Das perfekt blätterige Croissant war reichlich mit weichem Rührei und frischem Räucherlachs gefüllt, was für ein tolles Geschmackserlebnis sorgte. Jedes Gericht, das ich hier genießen durfte, zeugte davon, wie viel Herzblut die Menschen hier in die Zubereitung ihres Essens stecken.

Die Nächte in Amed gehörten ganz mir selbst
In der Dämmerung färbten sich die Straßen von Amed in das sanfte Licht des Abendhimmels, untermalt vom Leuchten der kleinen Ladenschilder. Die ruhigen Straßen strahlten Gemütlichkeit statt Lärm aus und boten die ideale Kulisse, um innezuhalten und den Tag Revue passieren zu lassen.

Die Nächte in Amed sind ruhig und bieten die perfekte Atmosphäre, um sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren.
Die Reise quer über die Insel Java bis nach Amed am östlichen Ende von Bali war in jedem Moment eine hervorragende Entscheidung. Selbst die unerwartete Wartezeit beim Laden des Autos auf dem Weg schien im Nachhinein wie eine Vorbereitung auf die Entschleunigung in diesem friedlichen Dorf. Unter den Augen des majestätischen Mount Agung im Meer zu tauchen, jeden Tag liebevoll zubereitete Speisen zu genießen und die Grenze zwischen Alltag und Erholung verschwimmen zu lassen – diese Zeit der Ruhe und die herzlichen Begegnungen am Küchentisch in Amed werden mir noch lange als Kraftquelle in Erinnerung bleiben.
