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Regennasse Hongkong-Nächte und eine wärmende Schüssel Congee

2023.10.8 – 2023.10.9

Kaum in Hongkong angekommen, öffnete der Himmel seine Schleusen, als gäbe es kein Morgen. Selbst mit Regenschirm war ich im Nu völlig durchnässt – wie eine sprichwörtlich begossene Pudel. Nach einigem Umherirren im kalten Regen rettete ich mich schließlich in ein Dim-Sum-Restaurant direkt im U-Bahnhof. Sobald ich saß, wurden mir dampfende Dim-Sum-Körbchen, süß-salzige Cheung Fun und heißer Tee serviert.

Wärmendes Dim Sum und Cheung Fun in einem Restaurant im U-Bahnhof

Als ich ein Stück des frisch gedämpften, gelben Dim Sum in den Mund nahm, breitete sich die Wärme und die Knackigkeit der Garnele im ganzen Körper aus. Das Frösteln vom kalten Regen war augenblicklich vergessen. Glücklich mampfend genoss ich mein erstes sättigendes Essen im regnerischen Hongkong.

Begegnung mit einer Kakerlake und nächtlicher Spurt

Je später es wurde, desto weniger dachte der Regen ans Aufhören. Zu allem Überfluss hatten nach 20:00 Uhr kaum noch Restaurants geöffnet. Nach langem Suchen im Regen fand ich schließlich ein winziges, einfaches Cha Chaan Teng, das noch geöffnet hatte. Ich bestellte mir eine scharfe Ramensuppe mit Würstchen, Spiegelei und Toast.

Spätabends ergatterte Ramen mit Würstchen und Toast
Das hell erleuchtete Cha Chaan Teng an einer verregneten Straße

Während ich genüsslich meine Nudeln schlürfte, blickte ich zufällig auf den Boden und traute meinen Augen kaum: Eine riesige, weiße Albino-Kakerlake krabbelte gemütlich vorbei. Eigentlich ein Moment zum Kreischen, aber ich war so hungrig und seltsam tiefenentspannt, dass ich nur dachte: „Was man hier nicht alles sieht“, und meinen Teller seelenruhig leer aß.

Als ich das Restaurant verließ, goss es immer noch in Strömen. Beim Blick hinauf zu den erleuchteten Apartmenthäusern fielen mir die riesigen Aussparungen mitten in den Hochhäusern auf. Ich erinnerte mich an die Feng-Shui-Theorie, wonach diese Öffnungen den Drachen den Weg von den Bergen zum Wasser freihalten sollen, und betrachtete fasziniert die Skyline im Regen.

Imposante Wohnhochhäuser im dichten Hongkonger Regen

Zurück im Hotel machte ich es mir in der Bar im Erdgeschoss gemütlich. Obwohl ich den ganzen Tag gefroren hatte, brachte mir ein kühles Craft-Bier zusammen mit frisch frittierten, heißen Fish and Chips wohlige Gemütlichkeit. Ich träufelte Zitronensaft auf den knusprigen Fisch, tunkte ihn in Remoulade und ließ dabei meine nasse Kleidung trocknen.

Ein kühles Bier und knusprige Fish and Chips in der Hotelbar

In einem Laden um die Ecke besorgte ich mir neben ein paar Snacks auch einen Regenschirm. Beim Blick auf den Kassenbon erschrak ich kurz über den hohen Preis. Es stellte sich heraus, dass es ein bunter Disney-Schirm war, auf dessen transparenter Folie Comicfiguren zu sehen waren. Ich musste schmunzeln und dachte, das liegt wohl an den Lizenzgebühren. Er begleitete mich die ganze Reise über und leistet mir auch heute in Deutschland noch gute Dienste.

Ein nächtliches Selfie mit dem transparenten Disney-Schirm im Schaufenster

Der Heldentod meiner Slipper und die Wärme von Michelin-Austern-Congee

Auch am nächsten Morgen schüttete es unbarmherzig. Meine hellblauen Hermès-Slipper, die ich für diese Reise extra neu eingeweiht hatte, versanken komplett in den tiefen Pfützen der Straßen und segneten nach nur einem Tag das Zeitliche. Mit nassen Füßen schlurfte ich weiter durch die Stadt.

Die hellblauen Slipper, die im strömenden Regen ihr Leben ließen

Als ich durch das Zentrum von Wan Chai schlenderte, beobachtete ich die mit bunten Werbeplakaten beklebten Doppeldecker-Straßenbahnen. Wie sie ruhig über die glänzenden, nassen Straßen gleiten, verleiht dem regnerischen Hongkong eine ganz besondere, poetische Stimmung.

Eine farbenfrohe Doppeldecker-Straßenbahn bahnt sich ihren Weg durch den Regen

Fröstelnd suchte ich Zuflucht bei 'Trusty Congee King (靠得住)', einem Congee-Spezialisten, der schon mehrfach mit dem Michelin Bib Gourmand ausgezeichnet wurde. Die vielen roten Michelin-Aufkleber an den Fensterscheiben und die Urkunden an den Wänden ließen keinen Zweifel an der Qualität aufkommen.

Zahlreiche rote Michelin-Bib-Gourmand-Sticker zieren die Glasscheibe
Stolz präsentierte Michelin-Urkunden an den Wänden des Restaurants

Ich bestellte ein heißes Congee mit prallen, saftigen Austern. Als ich den ersten Löffel zum Mund führte, löffelte ich die Schüssel so gierig leer, wie man es sonst nur aus Zeichentrickfilmen kennt. Das intensive Meeresaroma der Austern gepaart mit der wohligen Wärme des dicken Reisbreis war einfach umwerfend lecker.

Eine dampfende, köstliche Schüssel Congee mit reichlich prallen Austern

Heißer und kalter Milchtee sowie kleine Entdeckungen in den Gassen

Eine Hongkong-Reise ohne Milchtee ist unvollständig. Um neue Kräfte zu sammeln, ging ich in ein Café und bestellte gleich einen heißen und einen eiskalten Milchtee auf einmal. Das kräftige Aroma von schwarzem Tee harmonierte wunderbar mit der süßen, schweren Kondensmilch.

Heißer Milchtee in der klassischen Black & White-Tasse und ein eiskalter Milchtee
Ein Ananasbrötchen mit Butter und ein süßes Buttertoast mit Kondensmilch

Zum Milchtee gesellten sich ein goldgelb gebackenes Ananasbrötchen (Pineapple Bun) und ein weiteres süßes Toast mit Kondensmilch. Das Zusammenspiel aus knuspriger Kruste, weichem Teig und der schmelzenden, kalten Butter war einfach die perfekte Kombination aus süß und salzig.

Als ich danach durch die engen Gassen schlenderte, entdeckte ich ein Pflanzengeschäft, das wunderschön mit violettem Blauregen geschmückt war. Da ich an keinem Blumenladen vorbeigehen kann, ohne ein Foto zu machen, musste ich einfach kurz anhalten und diesen Anblick festhalten.

Ein charmanter Blumenladen, dessen Fassade mit violettem Blauregen geschmückt ist

Ich spazierte auch an einem prachtvollen Brunnenplatz vorbei, der direkt zwischen den emporragenden Wolkenkratzern liegt. Das leise Plätschern des Wassers inmitten der geschäftigen Stadt bot einen kurzen Moment der Ruhe, um die moderne Architektur zu bewundern.

Ein zentraler Springbrunnen auf einem Platz, umgeben von goldenen Hochhäusern

In einem Supermarkt stieß ich im Regal auf Gläser mit eingelegtem Stinkenden Tofu (Chou Doufu). Obwohl sie fest verschlossen im Glas waren, war ihre Präsenz so stark, dass man fast meinte, den intensiven, unverkennbaren Geruch bereits durch das Glas hindurch riechen zu können.

Gläser mit fermentiertem und stinkendem Tofu im Supermarktregal

Ein aufklärender Himmel zum Abschied und eine kleine Ente

Es hatte fast die ganze Reise über geregnet, doch auf dem Weg zum Flughafen hörte es plötzlich auf und der Himmel klärte sich auf. Beim Anblick des späten Sonnenscheins musste ich schmunzeln – so spielt das Leben nun mal.

Auf dem Weg zum Flughafen: Der Regen hat aufgehört und die Stadt erstrahlt

Es regnet die ganze Reise über, und kaum geht es nach Hause, wird das Wetter herrlich... So ist das Leben...

Am Flughafen schlenderte ich noch durch die Duty-Free-Shops und entdeckte eine niedliche Donald-Duck-Plüschfigur. Mit den nassen Klamotten und den ruinierten Slippern im Gepäck trat ich schließlich mit der kleinen Ente im Arm die Heimreise an. Eine Reise voller Regen und Abenteuer, die mir aber gerade deshalb wegen ihrer Herzlichkeit und des fantastischen Essens in Erinnerung bleiben wird.

Der Moment, als ich die Donald-Duck-Figur im Duty-Free-Shop aussuchte
Reiseroute auf der Karte
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