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Mit der Schwester durch Shanghai: Charmante Gassen und ein scharfer Blick auf das Nachtlicht

2025.11.9 – 2025.11.10

Gleich nach unserer Ankunft in Shanghai zog es uns in eine dicht bewachsene Allee, in der grüne Platanen langen Schatten warfen. Die Straße mit ihren flachen Gebäuden und eleganten Geschäften versprühte eine so besondere Atmosphäre, dass man am liebsten sofort die Kamera zücken und losfotografieren wollte. Tatsächlich sah man überall Influencer oder Models, die für professionelle Aufnahmen posierten. Das erinnerte mich an meine eigene, glorreiche (?) Vergangenheit, als ich selbst von einer Influencer-Karriere träumte, diesen Traum aber mangels Followern schnell wieder aufgeben musste. Ich dachte mir, dass mir hier vielleicht doch noch ein echtes Traumfoto gelingen könnte, drückte meiner Schwester die Kamera in die Hand und stellte mich neben eine der Platanen.

Eine Pose im Schatten der Platanenallee

Als wir gemütlich weitergingen, zog uns plötzlich ein feiner Blumenduft an. Unter einem kleinen, aber stilvollen Rundbogen lag ein winziger Blumenladen voller farbenfroher, frischer Blüten. Vielleicht lag es an meiner alten Gewohnheit aus einem früheren Floristikkurs, aber statt die Pracht einfach nur zu genießen, kamen mir sofort ganz praktische Gedanken: „Wie managen die bloß den Bestand bei so vielen frischen Blumen?“ Über meine eigenen, so unromantischen Sorgen vor diesem charmanten Laden musste ich selbst laut lachen.

Das Innere des Blumenladens, dicht an dicht gefüllt mit frischen Blumen
Die Außenansicht des Blumenladens mit historischem Bogenportal und einem Blumenkarren

Als die Beine schwer wurden, machten wir es uns auf der Terrasse eines Cafés bei einer warmen Tasse Kaffee gemütlich. Während wir verschnauften, kam plötzlich ein Hund mit glänzendem, braunem Fell schwanzwedelnd auf uns zu. Er schüttelte ganz aufgeregt den Kopf und war unglaublich süß. Ich wollte ihn unbedingt streicheln, aber er sah so edel und teuer aus, dass ich mich gar nicht traute, ihn zu berühren, und ihn nur aus der Ferne bewunderte.

Ein brauner Hund wedelt aufgeregt und verspielt auf dem Caféboden

Nach dem Café schauten wir in einem süßen Spielzeugladen vorbei. In den Regalen stapelten sich unzählige lila Stofftiere mit geschlossenen Augen und einem niedlichen Lächeln. Die exakt gleichen Gesichter in Reih und Glied zu sehen, brachte mich sofort zum Schmunzeln.

Ein Regal voller lila Plüschfiguren mit Weihnachtsmützen

Die Lichter der Stadt und das Aroma von Knoblauch-Xiaolongxia

Nach Sonnenuntergang ging es in die Bulgari Bar, die meine Schwester reserviert hatte. Normalerweise sind wir überhaupt nicht der Typ für schicke Cocktailbars, weshalb wir unter der eleganten Beleuchtung sofort in Gelächter ausbrachen. Doch der Blick auf den Huangpu-Fluss und die luxuriöse Skyline von Pudong hinter unseren Gläsern raubte uns den Atem. Zu den Cocktails bestellten wir Käse, Jamón und Lachshäppchen, die wir wie eine vollwertige Mahlzeit im Nu verputzten.

Cocktails und feine Aperitivo-Häppchen vor der funkelnden Skyline von Shanghai
Ein Foto der nächtlichen Skyline und der Cocktails mit dem Smartphone

Als wir auf die Dachterrasse traten, ging gerade die Beleuchtung der Gebäude am Bund an. Wie sich der Oriental Pearl Tower und die Wolkenkratzer nacheinander in goldenes und rotes Licht hüllten, war absolut überwältigend. Während überall Influencer für das perfekte Foto posierten, genoss ich das Spektakel still aus einer ruhigen Ecke heraus.

Blick über den Huangpu-Fluss auf den Oriental Pearl Tower und die Skyline von Pudong bei Nacht

Nach dem Augenschmaus war es Zeit für kulinarische Genüsse. Wir wechselten in ein bekanntes Restaurant für Flusskrebse. Beim Blick auf die Karte bestellte meine Schwester ohne Zögern frittierte Froschspieße. Eigentlich liebt sie die Zeichentrickfigur Keroppi über alles, aber sie meinte eiskalt, Fiktion und Essen seien zwei Paar Schuhe. Ihr Appetit hat mich fast ein wenig erschreckt. Aber wahre Liebe zeigt sich wohl auf viele Weisen.

Knusprig frittierte Froschspieße in beiden Händen
Würzig frittierter Mais und erfrischender Gurkensalat

Dann kam die Hauptattraktion: Xiaolongxia, die Flusskrebse. Wir schwankten kurz, ob wir die scharfe Mala-Variante nehmen sollten, entschieden uns aber ganz typisch für die Version mit einem riesigen Berg gehacktem Knoblauch. Ein Mitarbeiter schälte uns die Krebse geduldig am Tisch, was extrem praktisch war. Hätten wir das selbst machen müssen, hätte die Geduld wahrscheinlich nicht ausgereicht. Das saftige Krebsfleisch im intensiven Knoblauch-Dressing war eine absolute Geschmacksexplosion.

Xiaolongxia-Flusskrebse bedeckt mit reichlich gehacktem Knoblauch
Ein perfekt geschältes, saftiges Stück Krebsfleisch

Vom Maisgetränk bis zur riesigen Reisschale: Unvergessliches Essen in Shanghai

Am nächsten Morgen führte mich meine feinschmeckerische Schwester zu einem ganz besonderen Getränk – normalerweise gehe ich allein einfach ins erstbeste leere Restaurant. In einem hoch gelegenen Café mit Blick auf den fernen Oriental Pearl Tower probierten wir ein Kokosmilch-Getränk mit echten Maiskörnern und klebrigen Reisperlen. Nach dem ersten Schluck sah ich meine Schwester an und flüsterte erschöpft: „Ich glaube, mit den kulinarischen Experimenten können wir es jetzt gut sein lassen...“

Ein Becher Kokos-Mais-Getränk am Fenster mit Blick auf den Oriental Pearl Tower

Mittags besuchten wir ein bei Einheimischen extrem beliebtes Malaban-Restaurant. Während wir die scharfe Erdnusssauce genossen, fiel uns auf, dass die Leute an den Nachbartischen gebratene Teigtaschen (Shengjianbao) aus dem Laden nebenan mitgebracht hatten. Diese unkomplizierte Art, Essen zu teilen, war herrlich sympathisch. Die Kombination aus den knusprigen, saftigen Teigtaschen und dem würzigen Malaban war einfach unschlagbar.

Eine Schüssel würziges Malaban mit cremiger Erdnusssauce
Knusprig gebratene Shengjianbao-Teigtaschen mit Sesam in einer Mitnahmebox

Nach dem Essen ging es zum Platz direkt vor dem Oriental Pearl Tower. Ich legte mich fast flach auf den Boden, um das riesige Bauwerk ganz auf das Foto zu bekommen. Meine Schwester sah mich fassungslos an und meinte trocken: „Was machst du da eigentlich? Benutz doch einfach das Weitwinkel-Zoom.“ Etwas verlegen drückte ich auf den Bildschirm – und siehe da, mit einem Fingertipp war der gesamte Turm perfekt im Kasten.

Blick nach oben durch Zweige auf die markante Struktur des Oriental Pearl Towers
Die imposante Gesamtansicht des Oriental Pearl Towers vor blauem Himmel

Vor dem Abflug brauchten wir noch eine letzte Mahlzeit. Da ich ohne eine tägliche Portion Reis nicht auskomme, bestellte ich im Restaurant selbstbewusst die größte Portion Reis, die sie hatten. Kurz darauf brachte der Kellner keinen normalen Becher, sondern eine riesige Tonschüssel, die eher an ein Waschbecken erinnerte, gefüllt mit einem gewaltigen Reisberg. Neben dieser Portion wirkte die Rührei-Tomaten-Pfanne winzig. Wir haben uns vor Lachen kaum gehalten. Diese wunderbare Reise mit meiner Schwester endete genau wie diese Schüssel: absolut reichhaltig und glücklich.

Eine riesige Schüssel Reis neben einem Teller mit gebratenen Tomaten und Ei
Reiseroute auf der Karte
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