Ein windiger April: Unterwegs zwischen den Wolkenkratzern New Yorks
Wenn man an New York denkt, fällt einem als Erstes die atemberaubende Silhouette der Wolkenkratzer ein, die scheinbar den Himmel berühren. Am 23. April 2023 wehte schließlich eine kühle, aber erfrischende Frühlingsbrise durch die Straßen von Manhattan, als ich dort ankam. Der April und der Mai gelten als beste Reisezeit für New York, und die Stadt wirkte wie ein Labyrinth, in dem jeder Spaziergang unablässig neue visuelle Reize bot. Ein Dschungel aus kühlem Glas und Beton, das Summen der gelben Taxis auf den Straßen und das Nachleuchten der gigantischen Werbetafeln – mein Weg führte mich ganz natürlich von den belebten Straßen der 5th Avenue zum roten Times Square und schließlich hinauf zum Summit, dem gläsernen Tempel über den Wolken.
1. Wolkenkratzerschluchten und ein Meer aus Flaggen am südlichen Central Park
Als ich die 5th Avenue am südlichen Eingang des Central Park betrat, ragten hinter dem gläsernen Apple Store riesige Wolkenkratzer empor, die fast den gesamten Himmel verdeckten. Erst als ich den Blick senikal nach oben richtete, konnte ich die Wolken an den Spitzen der Gebäude sehen. Beim Betrachten der unzähligen Glasscheiben an den Außenwänden überkam mich ein leichtes Frösteln. Wie haben Menschen diese Tausenden von Fenstern in so schwindelerregender Höhe bloß montiert? Für jemanden wie mich, der unter Höhenangst leidet, ist das unvorstellbar – ein Beruf, den ich in meinem ganzen Leben niemals ausüben könnte.

Die Straßen New Yorks boten noch einen weiteren ungewöhnlichen Anblick. Da es viele historische Hochhäuser gibt, wird an fast jeder Ecke gebaut oder renoviert. Um Passanten vor herabfallenden Gegenständen zu schützen, zogen sich robuste Schutzgerüste aus Stahl über die Gehwege vor den Geschäften. Während ich unter diesen Konstruktionen hindurchging, die fast wie dunkle Tunnel wirkten, dachte ich mir, dass sie bei einem plötzlichen Regenschauer ein wunderbarer Zufluchtsort ganz ohne Regenschirm wären.

Nach 13:30 Uhr wurde das Sonnenlicht etwas sanfter. Der April und der Mai sind mit ihrer Mischung aus kühlem Wind und milder Sonne wirklich die schönsten Monate für eine Erkundungstour durch New York. Auf meinem Weg entlang der Madison Avenue und der 5th Avenue stand ein rosafarbener Eiswagen, aus dem eine fröhliche Melodie erklang. An den Fassaden der Luxusgeschäfte flatterten die US-Flaggen leuchtend vor dem blauen Himmel.


Einige Blocks weiter südlich erhob sich zwischen den modernen Wolkenkratzern die St. Patrick’s Cathedral im neugotischen Stil. Ihre schweren Steinmauern und die spitzen Türme bildeten einen faszinierenden Kontrast zu den modernen Glasfassaden der Umgebung. Diese monumentale Kathedrale wurde Mitte des 19. Jahrhunderts fertiggestellt und behauptet stolz ihren Platz, während sich die Skyline um sie herum ständig verändert.

Hinter der Kathedrale, an der Ecke des Kaufhauses Saks Fifth Avenue, hingen riesige US-Flaggen dicht an dicht entlang der gesamten Fassade. Als ich sah, wie die roten und weißen Streifen im Sonnenlicht und Wind wehten, spürte ich zum ersten Mal ganz real: Ich bin wirklich in New York, der Stadt, die ich sonst nur aus Filmen und Medien kannte.

2. Chipotle statt süßer Versuchung und die Melodie des Times Square
Als sich der erste Hunger meldete, kam ich an der berühmten Magnolia Bakery vorbei. Die Menschen standen in einer langen Schlange an, um Cupcakes zu kaufen. Da ich aber keine große Vorliebe für Süßes habe, warf ich nur einen kurzen Blick hinein und ging direkt weiter.

Stattdessen entschied ich mich für das allseits beliebte Chipotle zum Mittagessen. Eine ovale Pappschale gefüllt mit Reis, Bohnen, Fleisch, reichlich grüner Guacamole, Salat und Käse – alles miteinander vermischt. Nach dem ersten Bissen entfaltete sich die frische, leicht scharfe Sauce zusammen mit der cremigen Guacamole im Mund. Für mich war das ein köstliches und sehr exklusives amerikanisches Bibimbap.

Gut gesättigt machte ich mich auf den Weg zum Times Square. Als ich mich der Kreuzung von Broadway und 7th Avenue näherte, dröhnten mir bereits die Bässe von Jay-Zs und Alicia Keys’ „Empire State of Mind“ entgegen, begleitet vom Jubel der Zuschauer bei einer Street-Performance. Der packende Hip-Hop-Sound und die gigantischen digitalen Werbetafeln um mich herum überwältigten meine Sinne völlig.

Inmitten dieser bunten Lichterflut fiel mir als Erstes ein Plakat von LG mit einer leuchtend roten Blüte ins Auge. Es war ein schönes und stolzes Gefühl, den Namen eines koreanischen Unternehmens mitten auf dem Times Square zu sehen, wo sich die teuersten Werbeflächen der Welt befinden.

Die Straßen waren gelb gefärbt von den unzähligen vorbeifahrenden Yellow Cabs. Das Hupen der Autos, Reisende aus aller Welt und New Yorker, die eilig die Straße überquerten – all das verschmolz zu der unvergleichlichen, pulsierenden Energie dieser Stadt.


3. Summit One Vanderbilt: Ein fließendes Spiegelkabinett über der Stadt
Nach 15:00 Uhr machte ich mich auf den Weg in Richtung Vanderbilt Avenue nahe dem Bryant Park, um pünktlich an der Aussichtsplattform zu sein, für die ich Tickets reserviert hatte. Über den historischen Steinmauern des Grand Central Terminal erhob sich die elegante, silberne Spitze des Chrysler Building, ein Wahrzeichen des Art déco.

Mein Ziel war das „Summit One Vanderbilt“, eine der modernsten und beliebtesten Aussichtsplattformen New Yorks. Schon beim Anblick des eleganten Logos an der Marmorwand im Eingangsbereich stieg meine Vorfreude merklich.

Bereits die Fahrt im Highspeed-Aufzug nach oben war spektakulär inszeniert. Da die Wände und die Decke komplett verspiegelt waren, entstand während der Fahrt die Illusion, als würde man durch Raum und Zeit in eine vierte Dimension katapultiert.

Als sich die Türen öffneten, betrat ich den Bereich namens „Air“, der durch seine riesigen Glasfronten einen ungestörten Blick über ganz Manhattan bot. Direkt vor mir ragte das Empire State Building auf, das unverkennbare Symbol New Yorks. Die Sonnenstrahlen brachen durch die Wolken und brachten die Skyline hinter dem East River zum Leuchten.

Das absolute Highlight des Summit war der Hauptsaal (Ballroom), dessen Boden und Decke vollständig mit Spiegeln versehen waren. Unter meinen Füßen spiegelte sich die gesamte Stadt samt den Besuchern, was eine fast schwindelerregende, traumhafte Atmosphäre schuf. Die Menschen legten oder setzten sich auf den spiegelnden Boden, suchten scherzhaft nach ihrem eigenen Spiegelbild und machten unzählige Fotos. Eigentlich ist die Plattform besonders zum Sonnenuntergang beliebt, doch dieser Zeitraum war schon lange ausgebucht. Aber auch im Tageslicht war der Ausblick absolut spektakulär.

Im darauffolgenden Raum mit dem Namen „Affinity“ schwebten unzählige silberne Ballons durch die Luft. Die glänzenden Kugeln bildeten einen wunderbaren Kontrast zum tiefblauen Himmel über New York, der durch die Fenster zu sehen war.


Die Besucher stießen die Ballons spielerisch an, lachten wie Kinder und freuten sich über die verzerrten Spiegelbilder ihrer Gesichter auf den glänzenden Oberflächen. Es fühlte sich fast so an, als würde man schwerelos über den Wolken spielen.


4. Unerwartete Harmonie, ein letztes Leuchten und Abschied von New York
Als ich nach dem Besuch der Plattform wieder unten ankam, entdeckte ich in einer geschäftigen Straße eine überraschend friedliche Szene. Es war die Straßenshow „Noah Live Love Boat“: Weiße Tauben, Papageien, Kaninchen und eine Katze saßen dort völlig friedlich beieinander. Dass diese Tiere inmitten des Großstadtlärms so harmonisch und ruhig verweilten, brachte mich zum Schmunzeln – sie wirkten fast folgsamer als ich selbst.

Als ich wieder in die Nähe des Times Square kam, fiel mir die riesige LED-US-Flagge an der Außenwand der Rekrutierungsstelle der US-Streitkräfte (Armed Forces Recruiting Station) auf. Vor diesem hell leuchtenden Kunstwerk versammelten sich viele Touristen, um Fotos zu machen.

Langsam neigte sich der Tag dem Ende zu, und der Himmel färbte sich tiefblau. Zum Abschluss meines Tages betrachtete ich noch einmal die hell leuchtende Samsung-Werbetafel hoch über dem Times Square. Das schwindelerregende Gefühl zwischen den Wolkenkratzern, die US-Flaggen auf der 5th Avenue, die Schärfe der Chipotle Bowl und die faszinierende Spiegelwelt im Summit One Vanderbilt – dieser Tag im Häusermeer war kurz, aber unvergesslich. Wenn ich irgendwann im Alltag eine Pause brauche, werde ich mich mit Sehnsucht an die bunten Lichter und das pulsierende Leben im New Yorker April zurückerinnern.

