Mein Leben auf Jeju: Eine Erkundungstour durch Seogwipo mit meiner Familie
Wenn man sich auf Jeju niederlässt, bekommt man manchmal unerwartet lieben Besuch vom Festland. Diesmal reisten meine Tante, mein Onkel und mein Geschwisterteil an, um Zeit mit mir auf Jeju zu verbringen. Da sie einen Ort besuchten, der für andere ein aufregendes Reiseziel, für mich aber der Alltag ist, fühlte ich mich besonders gastfreundlich. Während ich sie entlang der vertrauten Steinmauern und des Meeres begleitete, betrachtete ich meine geliebte Insel wieder mit den neugierigen Augen eines Reisenden.
Unser erstes Ziel war der für sein smaragdgrünes Wasser berühmte Hamdeok-Strand. Das Wasser ist flach und der Sand so fein, dass man dort fast immer Kinder sieht, die fröhlich mit Schwimmreifen im Wasser spielen. Als wir gemeinsam den Strandweg entlanggingen und dem sanften Rauschen der Wellen lauschten, verflog die ganze Müdigkeit im Nu.

Hinter der weiten Meeresoberfläche von Hamdeok erstreckte sich ein strahlender Himmel mit malerischen Schäfchenwolken. Das Wasser war so glasklar, dass man im flachen Uferbereich die dunklen Basaltsteine auf dem Grund sehen konnte. Meine Familie kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, und ich war heimlich stolz darauf, dass das Meer in meiner Nachbarschaft einfach das schönste ist.

Kleine Freuden im Volksdorf und ein köstlicher Abend in Seogwipo
Einige Tage später besuchten wir das Volksdorf Pyoseon, wo das traditionelle Leben von Jeju bewahrt wird. Als wir an einer Steinmauer entlanggingen, entdeckte ich zwischen den aufgehängten Wunschzetteln eine Nachricht, die mich laut auflachen ließ. Jemand hatte voller Hoffnung geschrieben: „Hauptgewinn beim gestrigen Lotto! Wenn nicht der erste, dann bitte wenigstens der zweite Platz.“ Diese ehrliche Verzweiflung brachte mich so zum Schmunzeln, dass ich ein Foto davon machte. Direkt nebenan im Gehege spazierten Hühner mit ungewöhnlich glänzendem, schwarzem Gefieder und prächtigen Kämmen friedlich umher.


Am Abend ging es zum Abendessen in ein Restaurant für Makrelen-Sashimi. Der Teller war reichlich mit frisch geschnittenem, glänzendem rohem Fisch gefüllt. Mein Onkel ist eigentlich schon seit seiner Kindheit als leidenschaftlicher Angler bekannt, aber kurioserweise isst er selbst gar nicht so gerne Sashimi. Deshalb bestellten wir für ihn auch eine knusprig gegrillte Makrele. Da ich gegrillten Fisch über alles liebe, habe ich am Ende sogar mehr als die Hälfte seiner Portion stibitzt.


Gut gesättigt schlenderten wir zum Nachtmarkt in der Nähe des Seogwipo-Olle-Marktes. Mitten im lebhaften Treiben machten wir es uns gemütlich. Meine Tante hob ihr Bierglas und meinte: „Ich schaffe das nicht alleine, teilt es euch beide auf.“ Als sie das Bier einschenkte, füllte sich das Glas fast nur mit Schaum. Mein Geschwisterteil und ich mussten sofort an ein berühmtes virales Video denken und lachten herzlich darüber.

Nach dem Nachtmarkt besuchten wir „Jeju Yaksu-teo“, eine bekannte Adresse für handwerkliches Bier in Seogwipo, die ich schon lange besuchen wollte. Das Lokal bestach durch eine gemütliche Beleuchtung und eine sehr stylische Einrichtung. Die Theke, an der Hopfen, Malzproben und bunte Gläser ausgestellt waren, hatte eine tolle Atmosphäre, und es gab so schönes Merchandise, dass ich direkt ein paar Souvenirs kaufte. Obwohl ich kaum Alkohol vertrage, konnte ich an diesen schicken Flaschen einfach nicht vorbeigehen.


Die malerische Natur von Soesokkak und eine entspannte Café-Tour in Seogwipo
Am nächsten Morgen führte uns unser Spaziergang nach Soesokkak. Am Eingang des Wanderwegs entdeckte ich auf einem Holzpfosten ein großes Schild mit der Aufschrift „Achtung Schlangen“. Da ich im chinesischen Tierkreiszeichen der Schlange geboren bin, musste ich schmunzeln und dachte mir: „Woher wussten die nur, dass ich eine Schlange bin?“ Das Vogelzwitschern und die kühle Brise im dichten Laub machten den Morgen herrlich erfrischend.

Da sich meine Tante und mein Onkel im Hotel ausruhen wollten, nutzte ich die Gelegenheit, um mit meinem Geschwisterteil im bekannten Café „Yudong Coffee“ zu entspannen. Da das Café für seine preisgekrönten Baristas bekannt ist, waren unsere Erwartungen hoch. Bei knusprigen Croffles und süß-herben Kaffeespezialitäten genossen wir die friedliche Atmosphäre und quatschten ausgiebig.

Am Nachmittag traf sich die ganze Familie wieder, um die beeindruckende Schlucht von Soesokkak zu bewundern. Dies ist definitiv einer meiner absoluten Lieblingsorte unter den Top 200 Plätzen auf Jeju. Wo Süßwasser auf das Meer trifft, überspannen dichte Kiefern das smaragdgrüne Wasser. Der Anblick der Menschen, die dort gemächlich in traditionellen Holzbooten fuhren, verströmte eine wunderbare Ruhe.


Nach dem Spaziergang fuhren wir zur Filiale von Terarosa Coffee in Seogwipo, die inmitten eines Mandarinengartens liegt. Das Café faszinierte mit seinen Mauern aus Jeju-Basaltstein, den riesigen Fensterfronten und der gemütlichen Backstein-Architektur. Da ich selbst einmal fünf Jahre lang als Barista gearbeitet habe, schaue ich mir die Latte Art immer ganz genau an. Mit einer hübschen herzförmigen Latte Art in der Sonne auf der Außenterrasse war der Moment einfach perfekt.


Gegen Abend besuchten wir noch einmal den Seogwipo-Olle-Markt, um Fisch für das Abendessen in unserer Unterkunft zu kaufen. Während wir die Stände mit den bunten Preisschildern an den Sashimi-Platten betrachteten, entdeckten wir in einem Aquarium eine Gruppe frischer Urechis unicinctus (Penne-Fische). Ihr ungewöhnliches Aussehen, wie sie sich im Wasser bewegten, zog mich kurz in ihren Bann und regte meine Fantasie an.


Ausgezeichnete Küche und die Erhabenheit von Oedolgae und Jusangjeolli
Für das Frühstück an unserem letzten Tag auf Jeju wählten wir ein Restaurant für geschmorten Fisch, das ich vor einiger Zeit zufällig entdeckt hatte. Die vielen Blauen Bänder an der Glastür zeigten, wie beliebt das Lokal ist. Der Fisch war perfekt gewürzt, nicht zu salzig, sondern angenehm scharf. Selbst mein Onkel, der sonst sehr wählerisch beim Essen ist, schwärmte: „Dieser Schmortopf ist wirklich köstlich“, und aß seine Schale Reis komplett leer.


Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg zum Küstenwanderweg bei Oedolgae und Hwangwooji. Unter einem wolkenverhangenen Himmel bot sich uns ein fantastischer Blick auf die felsige Küste von Seogwipo. Im natürlichen Felsenbecken der Hwangwooji-Küste, den sogenannten Feenbecken, tummelten sich bereits viele Menschen im Badeanzug beim Klippenspringen und Schwimmen. Ich wäre am liebsten selbst ins kühle Nass gesprungen, musste mich aber mit dem bloßen Zuschauen begnügen.


Die Jusangjeolli-Klippen von Daepo, die wir als Nächstes besuchten, waren wieder einmal ein atemberaubendes Naturschauspiel. Diese Klippen aus eckigen Basaltsäulen entstanden, als heiße Lava vor langer Zeit ins Meer floss und abkühlte. Sie sahen so perfekt aus, als hätte sie jemand von Hand gemeißelt, und das Getöse der weißen Gischt, die an den Felsen brach, war unglaublich erfrischend.


Bevor es zum Flughafen ging, machten wir noch einen letzten Zwischenstopp im Café „One and Only“ am Fuße des Sanbangsan. Bei einem amerikanischen Kaffee und einem Schokoladenkuchen, der wie der Berg Sanbangsan geformt war, ließen wir die Reise Revue passieren. Auch wenn die Preise gehoben waren, machten das niedliche Gebäck und die herrliche Aussicht den Abschied perfekt. Als ich meine Familie verabschiedet hatte und die Fotos durchging, wurde mir wieder bewusst, wie wertvoll meine Wahlheimat Jeju für mich ist.

