Insel der Wanderer: Nusa Penida
Am Morgen der Abreise von Bali nach Nusa Penida kam ein weiteres Gepäckstück an der Seite meiner Tasche hinzu. Für das bevorstehende Schnorchelabenteuer hatte ich mir extra neue Flossen und eine Schnorchelmaske gekauft. Ich hatte mich für die günstigsten Modelle entschieden, da ich sie nach der Reise zurücklassen wollte, doch beim Anblick des zusätzlichen Gepäcks in meiner Hand stieg die Vorfreude auf das bevorstehende Inselabenteuer in mir hoch.

Die Gischt von fünf Motoren
Als ich in der Nähe des Hafens von Sanur ankam, versuchte der Grab-Fahrer mir etwas zu erklären, was ich jedoch nicht richtig verstand, und fuhr mich bis weit in den Hafen hinein. Wie sich herausstellte, hätte ich vor dem Betreten des Hafens im Büro der Fährgesellschaft einchecken und mein Ticket abholen müssen. So musste ich die etwa dreiminütige Strecke wieder zu Fuß zurückgehen. Ich nahm mir fest vor, den Fahrern künftig aufmerksamer zuzuhören. Im Büro erhielt ich schließlich ein rotes Umhängeband für den Boarding-Pass.

Als sich die Menschenmassen in Bewegung setzten, passte ich mich dem Tempo an und achtete aufmerksam auf die Farbe der Umhängebänder. Auch im Hafen wiesen die Ordner an jeder Abzweigung den Reisenden anhand der Bandfarben präzise den Weg. Da fast alle das gleiche Ziel hatten, bestand kaum die Gefahr, sich zu verlaufen.


Als wir uns unserem Boot näherten, fielen mir sofort die fünf mächtigen Außenbordmotoren am Heck auf. Schon der bloße Anblick versprach eine rasante Fahrt über das Wasser. Mit einem ohrenbetäubenden Aufheulen sprangen die Motoren an, und das Schnellboot schnitt kraftvoll durch die Wellen des azurblauen Meeres.

Eine Dschungelinsel jenseits von Grab
Nach der Landung im Hafen von Nusa Penida herrschte eine völlig andere Atmosphäre. Auf dieser Insel gab es keinerlei Grab-Dienste. Kaum war ich von Bord gegangen, fand ich mich in zähen Verhandlungen mit den wartenden einheimischen Taxifahrern wieder, bevor ich schließlich einstieg. Dass die Taxipreise deutlich höher waren als erwartet, überraschte mich zunächst, doch als das Auto anfuhr und der Weg begann, verstand ich sofort den Grund. Bei dieser anspruchsvollen Strecke, die ununterbrochen über steile Bergpässe führt, und den jüngst gestiegenen Kraftstoffpreisen war der Fahrpreis absolut gerechtfertigt.

Das Resort, das ich nach der Bergfahrt erreichte, lag mitten im dichten Dschungel eingebettet. Der Preis war absolut erschwinglich und die Gebäude waren sauber und neu. Man spürte deutlich, dass die gesamte Insel touristisch stark erschlossen wird.

Nachdem ich mein Gepäck abgestellt hatte, schlenderte ich gemütlich durch die dschungelartige Anlage des Resorts, was meine Seele sofort baumeln ließ. Das Sonnenlicht, das durch die dichten Palmendächer drang, fühlte sich herrlich warm an.

Am Straßenrand sah man in den Höfen immer wieder Kampfhähne in Drahtkäfigen. Ihr prächtiges Gefieder und ihre stolze Haltung ließen darauf schließen, dass sie von den Dorfbewohnern sehr liebevoll und hingebungsvoll gepflegt wurden.

Gegen Abend machte ich mich auf den Weg in das Viertel, in dem sich die Resorts konzentrierten, doch die Auswahl an Restaurants war überschaubar. Ich entschied mich für ein kleines Lokal, das für seine Pizzen bekannt war. Kurze Zeit später wurde eine Pizza serviert, die reichlich mit frischem Basilikum belegt war. Der Duft von Basilikum stieg mir intensiv in die Nase. Abgesehen von der kulinarischen Raffinesse waren die Zutaten hier so unglaublich frisch, dass jeder Bissen nach gesunder Natur schmeckte.

Ein stiller Pfad für den wandernden Reisenden
Am nächsten Morgen musste ich die lang ersehnte Manta-Rochen-Tour leider absagen. Ein heftiger Magen-Darm-Infekt machte es unmöglich, ans Tauchen zu denken. Da ich aber nicht den ganzen Tag im Bett verbringen wollte, zog ich meine Sportschuhe an. Eigentlich bin ich ein leidenschaftlicher Wanderer. Ich plante eine Trekkingroute, die mich über die Hügel hinter der Crystal Bay bis hin zu Angel's Billabong führen sollte.

Nachdem ich die ersten 87 Höhenmeter überwunden hatte, tat sich vor mir ein angenehmer, flacher Naturpfad auf. Während ich eine Zeit lang den von Zirpgeräuschen erfüllten Waldweg entlangging, begegnete mir im Schatten der Äste eine braune Kuh. Auf diesem einsamen Pfad eine so friedliche Kreatur zu treffen, war eine unerwartete Freude.

Als ich mich dem Gipfel näherte, endete der ruhige Pfad und ein kleines, gemütliches Dorf kam zum Vorschein. Damit war etwa die Hälfte der Strecke geschafft.


Hinter dem Dorf erstreckte sich eine lange, asphaltierte Straße. Da ich persönlich gemütliche Waldwege bevorzuge, war ich anfangs etwas enttäuscht, als ich auf diese Straße in der prallen Mittagssonne traf. Doch als ich ein Stück weiterging, zeigte sich hinter der Kuppe der Straße in der Ferne das tiefblaue Meer.

Der Pool der Engel am Rande der rauen Klippen
Am Eingang zum Zielort gab es einen schattigen, kleinen Rastplatz. Hier bestellte ich eine frische Kokosnuss, trank das kühle Wasser direkt aus der Frucht und ließ meine Drohne steigen. Das Schöne am Alleinreisen ist, dass man auf niemanden Rücksicht nehmen muss und einfach anhalten kann, wann immer man möchte. Es ist eine Zeit, in der man der absoluten Freiheit ohne Kompromisse sehr nahe kommt. Allerdings rückt damit auch die Einsamkeit näher, und mit den Jahren merke ich, dass es gar nicht so einfach ist, dazwischen die Balance zu finden.


Schließlich erreichte ich Angel's Billabong. Das war der Ort, für den ich den weiten Weg durch die pralle Sonne auf mich genommen hatte. Da ich das Wandern an sich sehr genieße, reicht mir oft schon ein schöner Weg aus, doch heute war das Ziel selbst schöner, als ich es mir je hätte träumen lassen. Die gewaltigen Klippen, die sich wie ein natürlicher Bogen um das Meer legten, boten einen atemberaubenden, überwältigenden Anblick.

Zurück in den Wald, rote Spuren auf dem Pfad
Für den Rückweg wollte ich eigentlich ein Motorradtaxi nehmen, aber da die meisten Besucher in Reisegruppen mit eigenen Fahrzeugen kamen, war weit und breit kein freies Taxi zu sehen. Also beschloss ich, erst einmal meinen eigenen Akku aufzuladen. In einem nahegelegenen Restaurant wollte ich einen Burrito bestellen, doch da die Zutaten fehlten, entschied ich mich für eine Quesadilla. Was schließlich auf meinem Teller landete, sah aus wie ein zusammengerollter Burrito. Ich musste schmunzeln, aber beim ersten Bissen stellte sich heraus, dass es tatsächlich eine knusprige, würzige Quesadilla war, und ich aß sie genussvoll auf.

Ich verließ die heiße, von Autos befahrene Asphaltstraße und bog wieder auf den schattigen Waldweg ab. Der Lärm der Autos verblasste und wich dem Zirpen der Grillen und dem Rascheln des Windes.

Nach einer Weile des Gehens sah ich rote Blütenblätter wie Seide auf dem Boden verstreut. Auf diesem natürlichen roten Teppich zu gehen, verlieh meinen Schritten neue Leichtigkeit.

Schließlich erreichte ich den Eingang zu dem Viertel, in dem meine Unterkunft lag. Der Anblick des Erdweges unter den großen Palmen fühlte sich an, als wäre ich bereits zu Hause.

Schließlich kam ich wohlbehalten vor meinem Bungalow an. Ich fragte mich, wie viele Menschen wohl von der Crystal Bay bis nach Angel's Billabong komplett zu Fuß gegangen sind, anstatt das Auto zu nehmen. In der heutigen Zeit bin ich vielleicht der Einzige gewesen. Bevor die Straßen überall gebaut wurden, war dieser Waldpfad jahrzehntelang der Hauptweg für die Inselbewohner. Falls jemand das Wandern genauso liebt wie ich, kann ich diese Route wärmstens empfehlen. Es ist ein absolut sicherer Weg, der frei von Böswilligkeit ist, genau wie das herzliche Lächeln der Menschen in Indonesien. Man sollte jedoch früh am Morgen aufbrechen, bevor die Sonne im Zenit steht, um die Wanderung perfekt genießen zu können.

