Auf dem Wasserweg der Han-Flusses zurück nach Hause
Vor meiner anstehenden Indonesien-Reise in der nächsten Woche habe ich seit Langem mal wieder ein gemeinsames Familienessen organisiert. Als Ort wählte ich das Spectrum-Buffet im Fairmont Ambassador Seoul in Yeouido. Normalerweise bin ich kein großer Fan von Buffets, aber da mein letzter Buffet-Besuch schon sehr lange zurücklag, war ich dieses Mal umso zufriedener. Es gab eine tolle Auswahl an feinen, qualitativ hochwertigen Speisen. Es war schön zu beobachten, wie die Köche an den Live-Stationen die Gerichte frisch zubereiteten, und wir verbrachten eine gemütliche und reichhaltige Mittagszeit. Dank der anregenden Gespräche mit der Familie verging die Zeit wie im Flug.

Der blauen Linie auf der Karte folgend zum Yeouido-Anleger
Nach dem gelungenen Essen präsentierte sich der Himmel über Yeouido herrlich klar und blau. Beim Überlegen, wie ich am besten nach Hause komme, öffnete ich die Karten-App und bemerkte eine deutlich eingezeichnete Route auf dem Han-Fluss. Der Han-River-Bus, von dem ich schon viel gehört hatte, war tatsächlich in Betrieb. Ein Blick auf den Fahrplan zeigte, dass er direkt nach Ttukseom fährt, also ganz in die Nähe meiner Wohnung. Ohne zu zögern spazierte ich zum Han-River-Bus-Anleger in Yeouido. Am Eingang zog eine riesige Charakter-Figur die Blicke auf sich, und unter der strahlenden Sommersonne erstreckte sich das weite Panorama des Han-Flusses.

Kontrast zwischen unübersichtlichen Gängen und komfortabler Kabine
Als ich das Terminalgebäude betrat, war das Boarding-Verfahren unerwartet kompliziert. Es wurde hauptsächlich von Touristen genutzt, von denen mehr als die Hälfte Ausländer waren. Selbst für mich als Einheimischen war das System so unübersichtlich, dass ich mich durchfragen musste. Man musste sich zuerst nach Fahrtrichtung (Osten oder Westen) aufteilen, zu einer bestimmten Zeit eine Nummernkarte abholen, sich damit in einer anderen Schlange anstellen, die ÖPNV-Karte scannen und durfte erst dann an Bord. Auch die ausländischen Touristen blickten immer wieder verunsichert auf die Anzeigetafeln. Da es sich um die Anfangsphase des Betriebs handelt, wird sich dies hoffentlich bald verbessern.


Nach dem komplizierten Prozedere war der Innenraum des Bootes jedoch eine echte Überraschung und äußerst komfortabel. Die Klimaanlage sorgte für eine wunderbare Abkühlung, und es gab ordentliche Sitzplätze sowie große Fenster. Der ganze Trubel vom Anleger war plötzlich vergessen, und es herrschte eine ruhige, entspannte Atmosphäre.
Die Kulisse Seouls zum ersten Mal vom Wasser aus erleben
Obwohl ich in Seoul geboren und aufgewachsen bin, wurde mir klar, dass ich die Stadt noch nie vom Han-Fluss aus an Bord eines Bootes betrachtet hatte. Während das Boot sanft durch die Wellen glitt und ich aus dem Fenster blickte, zogen die Brücken, die ich sonst nur mit dem Auto überquere, aus einer völlig neuen, bodennahen Perspektive an mir vorbei. Das blaue Flusswasser, die Skyline der Stadt und die vorbeiziehenden Wolken verschmolzen zu einem faszinierenden Gesamtbild.

Auch an der Decke des Schiffes waren große Glaselemente eingelassen, was für ein wunderbar offenes Raumgefühl sorgte. Den blauen Himmel und die weißen Wolken direkt über sich zu sehen, während man über den Fluss gleitet, bot ein erfrischendes Gefühl von Freiheit, das man in keinem anderen öffentlichen Verkehrsmittel findet.

Frischer Wind auf dem Deck und Ankunft in Ttukseom
Sobald das Boot mit gleichmäßiger Geschwindigkeit fährt, werden die Türen geöffnet, sodass die Passagiere auf das Vordeck treten können. Die kühle Brise auf dem Fluss im Gesicht zu spüren und auf das weite Wasser zu schauen, war so erfrischend, dass man die Sommerhitze völlig vergaß. Natürlich musste man aus Sicherheitsgründen wieder in die Kabine zurückkehren, sobald wir uns dem nächsten Anleger näherten, aber dieses kurze Gefühl der Freiheit im Freien ist mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Schließlich legte das Boot ruhig an unserem Ziel, dem Anleger Ttukseom, an. Beim Einsteigen wurden zunächst 3.000 Won von meiner ÖPNV-Karte abgebucht, was ich als sehr günstig empfand. Beim Aussteigen wurden jedoch noch einmal rund 4.700 Won fällig, sodass die Fahrt insgesamt etwa 7.700 Won kostete. Wenn man das Ein- und Ausstiegsverfahren sowie das Tarifsystem bedenkt, bedarf es noch einiger Anpassungen, damit sich die Verbindung als tägliches Pendler-Verkehrsmittel etablieren kann. An einem schönen Tag ist es jedoch eine äußerst reizvolle touristische Route, um den Han-Fluss einmal ganz anders zu genießen.
