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Shanghai, Wolkenkratzer bei Nacht und Gassen der Zeit

2025.11.7 – 2025.11.8

Um 16:00 Uhr startete unser Flugzeug vom Flughafen Gimpo nach Shanghai. Nach der Landung, den Einreiseformalitäten und dem Einchecken im Hotel war es bereits tiefe Nacht geworden. Kaum im Zimmer angekommen, zog der funkelnde Ausblick vor dem Fenster meinen Blick magisch an, noch ehe ich die Vorhänge ganz öffnen konnte. In der Ferne ragte der Oriental Pearl Tower empor, der abwechselnd Rot und Blau leuchtete, als würde er edle Gewänder wechseln, während die Lichter der umliegenden Wolkenkratzer den Nachthimmel dicht erfüllten. Es war ein großartiger erster Eindruck, der die Müdigkeit der Reise sofort vertrieb.

Der Oriental Pearl Tower und das prachtvolle Lichtermeer der Innenstadt von Shanghai aus dem Hotelzimmer

Wir ließen unser Gepäck einfach fallen und machten uns sofort auf den Weg, um noch spät am Abend etwas zu essen. Unser Ziel war „Henjiuyiqian“ (很久以前), ein für seine extrem langen Wartezeiten bekanntes Lammspieß-Restaurant. Da man angeblich mindestens drei Stunden einplanen muss, hatten wir uns mental auf das Schlimmste eingestellt, bekamen aber glücklicherweise schon nach etwa zwei Stunden einen Tisch. Damals ahnten wir jedoch noch nicht, dass diese zweistündige Wartezeit nur der Anfang einer ganzen Reihe von Geduldsproben auf unserer Reise sein sollte. Eigentlich esse ich gar kein Lammfleisch. Stattdessen bestellten wir den Tisch voll mit Spießen aus Schwein, Hähnchen, Mais und vielen anderen Zutaten.

Ordentlich aufgereihte Lammspieße auf dem sich automatisch drehenden Grill
Eine bunte Auswahl an Spießen mit Schweinefleisch und Mais, die als Alternative bestellt wurden

Auf der Holzkohle drehten sich die Spieße unaufhörlich und brieten langsam goldbraun, während das überschüssige Fett herabtropfte. Da wir seit dem Essen im Flugzeug stundenlang nichts mehr im Magen hatten und zudem zwei Stunden in der Kälte gewartet hatten, hätte uns wohl alles geschmeckt, was auf den Grill kam. Ich schnappte mir einen perfekt gegrillten, prallen Garnelenspieß, machte fröhlich ein Erinnerungsfoto und biss herzhaft zu. Der herzhaft-salzige Geschmack auf der Zunge ließ die Erschöpfung des langen Wartens sofort verfliegen.

Ein genussvoller Moment mit einem frisch gegrillten Garnelenspieß

Ein nebliger Morgen und verspielte Charakter-Gassen

Als ich am nächsten Morgen früh aufwachte und aus dem Fenster blickte, war der Asphalt nass vom nächtlichen Regen. Ein sanfter Nebel hing tief über der Stadt und hüllte die Spitze des gestern noch so hell leuchtenden Oriental Pearl Towers sanft in Wolken. Wir ließen diese ruhige, ganz andere Seite Shanghais hinter uns und machten uns auf den Weg, die Straßen zu erkunden.

Regennasses Pflaster und die im tiefen Nebel versunkene Skyline von Shanghai

Meine Schwester wollte sich unbedingt Sanrio-Charaktere ansehen. Als wir den Laden betraten, fiel mein Blick als Shin-Chan-Fan sofort auf die grünen Chocobi-Schachteln, die die Regale füllten. Die vielen Schachteln zu sehen, fühlte sich an wie eine Zeitreise in die Kindheit, und ich musste sie einfach immer wieder anfassen. Danach zog mich meine Schwester mit zu Pop Mart, um nach den Teletubbies zu suchen. Die Teletubbies ließen mich zwar eher kalt, aber die detailreichen Figuren in Raumanzügen, die in runden Kapseln ausgestellt waren, faszinierten mich so sehr, dass ich sie mit der Kamera festhalten musste.

Dicht an dicht gereihte grüne Chocobi-Schachteln in den Regalen eines Miniso-Geschäfts

Nach den verspielten Figurenläden führte uns unser Weg zu „The Roof“ (恒基旭辉天地). Als ich im vergangenen Juni allein in Shanghai war, hatte ich mich in die markante rote Architektur und das üppige Grün im Innenhof verliebt und dort viel Zeit mit Fotografieren verbracht. Nur wenige Monate später präsentierte sich The Roof bereits in vorweihnachtlicher Stimmung, geschmückt mit einer weißen Einhorn-Skulptur und einem Weihnachtsbaum. Es war ein schönes Gefühl, diesen vertrauten Ort in einem ganz neuen, saisonalen Kleid wiederzusehen.

Ausgestellte Pop-Mart-Figuren im futuristischen Raumanzug-Design

Das geflügelte weiße Einhorn und die Weihnachtsdekorationen zwischen den roten Terrakotta-Wänden bildeten einen reizvollen Kontrast zur historischen Architektur. Der Innenhof versprühte eine gemütliche Winterstimmung, die sich völlig von der sommerlichen Frische im Juni unterschied. Wir schlenderten eine Weile umher und bewunderten die feinen Details der Fassade.

Die weiße Einhorn-Skulptur und der geschmückte Weihnachtsbaum im Innenhof von The Roof

Rote Backsteine in Xintiandi und Gassen voller Geschichten

Unser nächstes Ziel war die historische Stätte der Provisorischen Regierung der Republik Korea – ein Ort, den man als Koreaner in Shanghai unbedingt besuchen sollte. Auch ohne tiefes historisches Vorwissen machten es die gut aufbereiteten Dokumente und Erklärungen leicht, die Geschichte zu verstehen. Das Fotografieren im Inneren war strengstens verboten, so dass ich die Eindrücke ganz tief in mir aufnahm. Angesichts der engen, steilen Treppen und des winzigen Zimmers, in dem die Unabhängigkeitsaktivisten damals unter schwierigsten Bedingungen lebten, zog sich mir das Herz zusammen. Draußen starrte ich noch lange andächtig auf die schlichte Plakette an der roten Backsteinmauer.

Die historische Plakette an der Außenwand der ehemaligen Provisorischen Regierung der Republik Korea

Mit nachdenklichen Gedanken gingen wir langsam weiter in Richtung der Cafés von Xintiandi. Da ich durstig war, bestellte ich im Café „13DE MARZO“ einen eiskalten Americano. Völlig unerwartet blickte mir am Rand des Becherdeckels ein kleiner, flauschiger Teddybär entgegen. Dieses liebevolle Detail zauberte mir sofort ein Lächeln ins Gesicht.

Ein frisch zubereiteter Americano mit einem kleinen, niedlichen Teddybären am Becherdeckel

Mit dem Teddy-Kaffee in der Hand wirkten die Straßen von Xintiandi noch ein Stück romantischer. Auf den Außenterrassen waren überall schwarz-weiß gestreifte Sonnenschirme aufgespannt, und unter dem warmen, orangefarbenen Licht plauderten die Menschen entspannt bei gutem Essen. Es fühlte sich fast so an, als säße man in einem Straßencafé irgendwo in Europa (obwohl ich selbst noch nie in Europa war). Die historischen Backsteingassen im traditionellen Shikumen-Stil zogen mich bei jedem Schritt in ihren Bann.

Schwarz-weiß gestreifte Sonnenschirme und entspannte Gäste auf den Terrassen von Xintiandi
Eine charmante Gasse in Xintiandi, in der historische Backsteine auf moderne Geschäfte treffen

Jedes einzelne Gebäude strahlte so viel Eleganz aus, dass ich einfach ständig anhalten und Fotos machen musste. Ich stellte mich vor die Treppe eines prachtvollen Steingebäudes und bat meine Schwester, ein Ganzkörperfoto von mir zu machen. Als ich das Ergebnis auf dem Display betrachtete, beschwerte ich sich scherzhaft: „Warum hast du mich denn so klein fotografiert?!“ Ohne eine Sekunde zu zögern, entgegnete sie völlig trocken: „Was redest du da? In echt bist du doch noch kleiner.“ Wir mussten beide laut lachen. Dieses liebevolle Necken machte den Moment vor den schönen Säulen Shanghais zu einer besonders fröhlichen Erinnerung.

Ein fröhlicher Moment vor einem Steingebäude, festgehalten von meiner Schwester
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