Winters in Quebec, Wärme teilen
Geschichte in Montreal
Um der beißenden Kälte Montreals zu entkommen, betrat ich spontan eine unterirdische Ladenpassage. Zu meiner Überraschung stieß ich dort auf ein Stück der Berliner Mauer. Die Betonwand, ein Symbol des Kalten Krieges und der Teilung, die dort achtlos stand, rief seltsame Gefühle hervor. Ein historisches Artefakt, das ich nur aus Büchern kannte, in einem alltäglichen Raum. Vielleicht ist das die Art, wie der Westen die Vergangenheit nicht vergisst, sondern sie in der Gegenwart leben lässt.

Endlich, gemeinsame Wärme
Die Einsamkeit und Leere, die sich während meiner mehrtägigen Alleinreise eingeschlichen hatten, verschwanden wie schmelzender Schnee mit der Ankunft eines willkommenen Gastes. Die Freude, meine Schwester am Flughafen abzuholen, die eine lange Reise von Korea über Toronto nach Montreal hinter sich hatte, war unbeschreiblich. Ich konnte gerade noch eine einzelne Rose im Duty-Free-Shop ergattern, bevor sie schlossen. Auch wenn eine einzelne Rose meine Dankbarkeit nicht vollständig ausdrücken konnte, so reichte das Lächeln meiner Schwester doch aus.

Noch am selben Abend gingen wir ohne zu zögern in ein koreanisches Restaurant. Als wir das Samgyeopsal, das ich allein nicht gewagt hätte, auf den Grill legten, breitete sich das brutzelnde Geräusch und der vertraute Geruch aus. Samgyeopsal in der Fremde war nicht nur Essen. Während wir lachten, redeten und die Gläser anstießen, verschwand die Leere der langen Reise und unser Herz füllte sich mit Wärme.

Am nächsten Tag gingen wir zu einem chinesischen Hot Pot mit einer köstlichen Brühe. Als der würzige und aromatische Duft Asiens unsere Nasen kitzelte, fühlte es sich an, als würden vergessene Sehnsüchte erwachen. Trotz unserer kleinen Staturen aßen meine Schwester und ich unermüdlich. Es war ein weiterer Moment, in dem ich erkannte, wie wertvoll es ist, jemanden zu haben, mit dem man sich über gutes Essen freuen kann.

Gut gesättigt machten wir uns auf den Weg zur Notre-Dame-Basilika in Montreal. Dieses Gotteshaus, das im 17. Jahrhundert von katholischen Missionaren auf den Überresten einer kleinen Kapelle aus der französischen Kolonialzeit erbaut wurde, ist die Geschichte Montreals selbst. Als wir die Kirche betraten, hielten wir den Atem an angesichts des prächtigen und majestätischen Inneren. Die Decke und der Altar, verziert in Blau und Gold, schimmerten mystisch wie der Nachthimmel voller Sterne.
An einer Seite fiel auf, dass man mit Kreditkarte bezahlen konnte, um eine LED-Kerze anzuzünden. Es war faszinierend zu sehen, wie selbst dieser heilige Raum mit der Zeit Schritt hielt, aber gleichzeitig fragte ich mich, ob mein Sinn für das Alte nicht vielleicht aus der Zeit gefallen war.

Von Ottawa nach Toronto, Landschaften entlang des Weges
Auch in Ottawa setzten wir unsere kulinarische Entdeckungsreise in die Heimat fort. Wir bestellten viele verschiedene Gerichte und bald war der Tisch wieder voll. Der Anblick meiner Schwester, die trotz ihrer kleinen Statur gut und genussvoll aß, brachte mich zum Lächeln. Einer der Besitzer sprach fließend Koreanisch, die Besitzerin nur ein wenig, weshalb ich vermutete, dass sie ein Ehepaar sein könnten. Der Geschmack des Essens war zweifellos der unserer Heimat.

Auf der Fahrt von Ottawa nach Toronto wählte ich bewusst die Landstraße statt der Autobahn. Anstelle der schnellen Route wollte ich die wahre Seele der kleinen Städte durch die langsam vorbeiziehende Landschaft sehen. Das mag ich an Reisen. Als wir auf der ruhigen Straße fuhren, hielten wir bei einem malerischen Souvenirladen, den wir zufällig entdeckten. Als ich mir ein paar Geschenke aussuchte und die Herkunft prüfte, stand 'Made in Indonesia' darauf. Ein bitteres Lächeln huschte über mein Gesicht, aber ich dachte, das gehört auch zum Reisen dazu.

