New York an der Schwelle zum Winter, eine glanzvolle Jahreszeit
Anfang November bestieg ich das Flugzeug nach New York, um die wohlige Wärme des Jahresendes und die Weihnachtsstimmung ein wenig früher zu genießen. Schon als ich beim Warten auf den Flug das sanfte Sonnenlicht sah, das durch die Glasdecke des Flughafenterminals fiel, eilten meine Gedanken voraus zu den festlich erleuchteten Tannenbäumen zwischen den Wolkenkratzern.

Der Weg von Queens nach Manhattan
Vom ruhigen Bahnsteig in Queens, wo meine Unterkunft lag, brachte mich die Long Island Rail Road (LIRR) im Nu mitten ins Zentrum von Manhattan. Auf dem Schild über dem Gleis stand unübersehbar „Direction to New York“ – eine Aufschrift, die bei jeder Einfahrt des Zuges meine Vorfreude neu entfachte.

Sobald der Zug an Fahrt aufnahm und sich das Panorama vor dem Fenster von niedrigen Bäumen und Wohnhäusern in eine dicht gedrängte Kulisse aus Wolkenkratzern verwandelte, spürte ich endlich, dass Manhattan ganz nah war. Als ich schließlich an der Penn Station ausstieg, funkelten in den Schaufenstern und Hauseingängen bereits die ersten riesigen Weihnachtsbäume und versprühten eine lebendige Festtagsstimmung.

Ich verließ die Penn Station durch die modernen Glaspassagen und machte mich auf den Weg Richtung Hudson Yards. Selbst im Foyer von One Manhattan zog ein hell erleuchteter Weihnachtsbaum hinter den Glasscheiben die Blicke der Passanten auf sich.

Hinter der gläsernen Fassade von One Manhattan reihten sich festlich geschmückte Weihnachtsbäume aneinander und verliehen der winterlichen Stadt einen Hauch von Romantik. Immer wieder blieben Spaziergänger stehen, um das warme Licht der Lichterketten zu betrachten.

Auch das Innere der Hudson Yards Shopping Mall war ganz auf die Festtage eingestimmt. Unter einem Lichtermeer, das wie die Milchstraße wirkte, schwebten riesige Lichtinstallationen in Form von Heißluftballons und schufen eine magische Atmosphäre. Draußen ragte vor dem Abendhimmel die markante, bienenkorbartige Struktur des Vessel geometrisch empor. Da der Zugang zeitweise gesperrt war, hinterließ dieses imposante Bauwerk einen besonders tiefen Eindruck.


Auf dem Rückweg begriff ich erst spät das System der LIRR-Anzeigetafeln. Weil ich am ersten Tag nicht wusste, dass die Gleisnummer erst zehn Minuten vor der Abfahrt angezeigt wird, wollte ich mich bereits dreißig Minuten vorher absichern. Dabei stieg ich prompt in den falschen Zug und landete in New Jersey – eine kuriose Erinnerung, die mich heute noch schmunzeln lässt.

Trockenes Chinaschilf auf der High Line und die Lichter der Stadt
Wenn es einen Ort gibt, den ich bei jedem New-York-Besuch ansteuere, dann ist es die High Line. Diese einstige Güterzugtrasse, die in einen Park verwandelt wurde, verströmt inmitten des hektischen Stadtlebens eine ganz eigene Gelassenheit. Der Spaziergang im Spätherbstwind entlang des raschelnden Chinaschilfs bot vielen Besuchern eine fast meditative Ruhe.

Von der High Line blickte ich hinab auf die Straßen, die von gelb gefärbten Alleen und Backsteinhäusern gesäumt waren. Als die Dämmerung hereinbrach und ich wieder hinunterging, vermischten sich die roten Rücklichter der im Stau stehenden Autos mit den hell erleuchteten Fenstern der Hochhäuser zur typischen, pulsierenden Energie New Yorks.


Die Lässigkeit von SoHo und ein reich gedeckter Brunchtisch
Ein Brunch darf bei einer New-York-Reise keinesfalls fehlen. Ich besuchte das für seine Wartezeiten bekannte „Sadelle’s“ in SoHo und schlug die mintgrüne Speisekarte auf. Als der frisch gebackene French Toast und die kunstvoll aufgetürmte Etagere mit Räucherlachs serviert wurden, zauberte mir das sofort ein Lächeln ins Gesicht.


Nach dem Essen schlenderte ich durch SoHo. Zwischen den gusseisernen Fassaden mit ihren charakteristischen Feuertreppen reihten sich luxuriöse Designer-Boutiquen aneinander – ein wunderbares Pflaster zum Bummeln.

In jedem Schaufenster war die Weihnachtsstimmung spürbar. Besonders die liebevoll dekorierten Macaron-Bäume und die farbenfrohen Geschenkschachteln zogen die Blicke der Passanten auf sich.

Mitte Dezember war auch ein Restaurant nahe Nassau auf Long Island ganz in Weihnachtssterne und funkelnde Lichter gehüllt. Überall lag diese typische, trubelige Herzlichkeit der Feiertage in der Luft, die die Kälte draußen völlig vergessen ließ.

Nebelverhangene Wolkenkratzer und ein kulinarisches Highlight
An einem Tag nieselte es unaufhörlich, sodass ganz Manhattan in einen feuchten Schleier gehüllt war. Das Rot der Ampeln spiegelte sich auf den nassen Straßen, und die Spitzen der dichten Wolkenkratzer verschwanden völlig im dichten Nebel. Es war ein stilles, stimmungsvolles Gesicht New Yorks, ganz anders als an sonnigen Tagen.

Am Morgen vor Heiligabend zog es mich ins „Balthazar“, eine weitere New Yorker Institution. Unter dem warmen Licht des klassischen französischen Bistros hießen große, mit gelben Girlanden geschmückte Spiegel und ein Tannenbaum die Gäste willkommen.


Bei frisch gebackenen Croissants, warmen Omeletts und hausgemachten Würstchen plauderten wir ausgiebig. Für einen Moment fühlte ich mich wie eine der Hauptfiguren aus „Sex and the City“, die sich zum morgendlichen Brunch austauschen.

Manhattan bei Nacht
Am Nachmittag überquerten wir die George Washington Bridge nach New Jersey. Über der gewaltigen Stahlkonstruktion der Brücke senkte sich bereits das tiefe Blau des Abendhimmels herab.

Vom Hügel in West New York aus eröffnete sich ein fantastischer Blick auf die Skyline von Manhattan jenseits des Hudson Rivers. Die hell erleuchteten Wolkenkratzer, allen voran das Empire State Building, funkelten atemberaubend schön.

Später am Abend fuhren wir zum Brooklyn Bridge Park. Das feine Lichterspiel entlang der Tragseile der riesigen Hängebrücke und die bunten Reflexionen im Wasser machten die New Yorker Nacht perfekt.

Das Lichtermeer von Dyker Heights und der Höhepunkt des Festes
Am Abend des ersten Weihnachtstages machten wir uns auf den Weg nach Dyker Heights in Brooklyn. Das ganze Viertel wirkte wie ein einziger festlicher Wettbewerb – jedes Haus war mit unglaublicher Hingabe und Pracht geschmückt.

In den Vorgärten standen riesige Weihnachtsmänner, Nussknacker und leuchtende Engelsfiguren dicht an dicht. Das Lachen der Anwohner und Besucher erfüllte die Straßen. Es war ein absolut überwältigender Anblick, der dem Ruf des Viertels für die prachtvollsten Dekorationen alle Ehre machte.

Am Tag nach Weihnachten entdeckte ich auf einem Platz nahe den Hudson Yards eine große, rote Skulptur in Form eines Baumes. Zwischen den nüchternen, grauen Betonbauten wirkte das moderne Kunstwerk wie ein roter Funke voller Lebendigkeit.

Danach ging es weiter zur Fifth Avenue, um die von mir so geliebte St. Patrick’s Cathedral zu besuchen. Wie die neugotischen, spitzen Türme der Kathedrale vor den modernen Wolkenkratzern in den Himmel ragten, zeigte das wunderbare Miteinander von historischer Eleganz und Moderne.

Direkt gegenüber, an der Fassade des Kaufhauses Saks Fifth Avenue, erstrahlte eine riesige Sternen- und Uhreninstallation, die in Zusammenarbeit mit Christian Dior entstanden war. Dichte Menschenmengen versammelten sich mit ihren Kameras, um das funkelnde Schauspiel festzuhalten.

Den krönenden Abschluss meiner Reise bildete der Rockefeller Center Plaza. Der weltberühmte Weihnachtsbaum war von zehntausenden Lichtern umhüllt und strahlte eine magische Erhabenheit aus. Staunend fragte ich mich, wie all diese Lichter angebracht wurden – dieser Moment, in dem mein Traum von Weihnachten in New York wahr wurde, wird mir für immer in glänzender Erinnerung bleiben.

Vom ruhigen Queens bis hin zum Lichtermeer Manhattans – die Romantik des winterlichen New Yorks bleibt wie ein warmes, unvergängliches Licht in meinem Herzen zurück.
